Chicago verklagt US-Regierung wegen blockierter Milliarden für Bahnprojekte
Hannah RichterChicago verklagt US-Regierung wegen blockierter Milliarden für Bahnprojekte
Die Verkehrsbehörde von Chicago (Chicago Transit Authority, CTA) hat Klage gegen das US-Verkehrsministerium und die Bundesverkehrsbehörde (Federal Transportation Authority) eingereicht. Mit der Klage will die CTA die Freigabe von zwei Milliarden US-Dollar für wichtige Schienenausbauprojekte erzwingen, die aufgrund neuer Bundesvorschriften aus dem Jahr 2025 gestoppt wurden. Vertreter der Behörde werfen der Regierung vor, Chicago unfair zu benachteiligen und damit dringend benötigte Infrastrukturarbeiten zu blockieren.
Im Mittelpunkt des Streits steht die geplante Verlängerung der Red Line um 8,5 Kilometer, die 100.000 Einwohner:innen in mehrheitlich schwarzen und benachteiligten Stadtteilen besser anbinden soll. Die Mittel wären zudem für die Sanierung über hundert Jahre alter Gleise im Norden der Stadt sowie den Bau von vier neuen, barrierefreien Stationen vorgesehen. Die CTA betont, sie habe sich bei der Antragstellung an alle damals geltenden Regeln gehalten, sehe sich nun aber ohne nachvollziehbare Begründung mit Sanktionen konfrontiert.
Eine im September 2025 von der Trump-Regierung erlassene Verordnung strich rassen- und geschlechterbasierte Vergabekriterien bei öffentlichen Aufträgen – und wandte die Änderung rückwirkend an, allerdings nur auf Fördergelder für Chicago und New York. Die CTA bezeichnet diese selektive Umsetzung als diskriminierend und verfassungswidrig. Trotz vollständiger Einreichung aller angeforderten Unterlagen gebe es seit Dezember 2025 keine Rückmeldung mehr von Bundesbehörden, so die Behörde.
Ähnliche Probleme bei der Mittelvergabe gibt es bundesweit. Bis März 2026 meldeten fünf Bundesstaaten – Kalifornien, New York, Illinois, Oregon und Washington – sowie acht Großstädte, darunter Los Angeles, San Francisco und Boston, Verzögerungen oder Ablehnungen von Verkehrsprojektförderungen. Das Verkehrsministerium begründet die Kürzungen mit der Bekämpfung "diskriminierender, rechtswidriger und verschwendungsintensiver Vergabepraktiken".
Mit der Klage will die CTA die Blockade der Gelder aufheben und die gestoppten Projekte wiederaufnehmen. Ohne die zwei Milliarden Dollar bleiben entscheidende Modernisierungen und Erweiterungen – insbesondere in unterversorgten Gemeinden – auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Der Ausgang des Verfahrens könnte richtungsweisend für die künftige Vergabe und Kontrolle von Bundesmitteln im gesamten Land werden.






