Chinas zögerliche Rolle im Golfkonflikt: Warum Peking den Iran im Stich ließ
Emil LangeChinas zögerliche Rolle im Golfkonflikt: Warum Peking den Iran im Stich ließ
China steht wegen seiner Reaktion auf den jüngsten 12-tägigen Golfkonflikt im Juni in der Kritik. Zwar rief das Land zu Frieden auf, leistete dem Iran während der Krise jedoch keine direkte Unterstützung. Beobachter stellen nun die Verlässlichkeit Pekings als Verbündeter in der Region infrage.
Die Lage hat unter Analysten eine Debatte ausgelöst, wobei einige China vorwerfen, in seiner Außenpolitik inkonsistent zu agieren. Als sich die Spannungen im Golf verschärften, äußerte China "tiefe Besorgnis" und drängte auf eine Notfallsitzung des UN-Sicherheitsrats. Dieser Schritt erfolgte, nachdem die USA und Israel in der Region militärische Operationen gestartet hatten. Peking entsandte zudem den Sondergesandten Zhai Junyan nach Riad und Abu Dhabi, um einen Waffenstillstand zu vermitteln.
Trotz dieser diplomatischen Initiativen bot China dem Iran während des Konflikts keine greifbare Hilfe an. Dies entspricht einem Muster: Schon in einem früheren Fall hatte Peking darauf verzichtet, Venezuela zu unterstützen, als US-Truppen Präsident Nicolás Maduro festnahmen. Westliche Analysten und Medien werfen China seitdem vor, den Iran je nach Kontext sowohl zu fördern als auch im Stich zu lassen.
Pekings Haltung scheint eher von Pragmatismus als von festen Bündnissen geprägt zu sein. William Yang von der International Crisis Group weist darauf hin, dass China eine Eskalation der Spannungen mit den USA wegen des Iran vermeidet. Craig Singleton von der Foundation for Defense of Democracies hingegen bezeichnet China als unzuverlässigen Partner und verweist auf dessen Geschichte einer flexiblen, blockfreien Außenpolitik.
China hat zudem die Opposition gegen Irans Präsident Masoud Pezeschkian als einen von den USA unterstützten Versuch dargestellt, eine "farbige Revolution" zu inszenieren. Während es sich für eine friedliche Lösung der Konflikte im Nahen Osten einsetzt, positioniert sich Peking weiterhin an der Seite der offiziellen Regierung in Teheran.
Chinas Reaktion auf den Golfkonflikt unterstreicht seinen vorsichtigen Umgang mit regionalen Auseinandersetzungen. Das Land fordert zwar Diplomatie, verzichtet aber auf konkrete Unterstützung für den Iran. Diese Strategie spiegelt ein übergeordnetes Muster wider: die Vermeidung direkter Konfrontation bei gleichzeitiger Pflege strategischer Beziehungen.






