Deutsche Rechenzentren kämpfen mit Rekord-Stromkosten und drohenden Wettbewerbsnachteilen
Mila VoigtDeutsche Rechenzentren kämpfen mit Rekord-Stromkosten und drohenden Wettbewerbsnachteilen
Deutsche Rechenzentren zahlen Stromkosten auf Spitzenniveau – Wettbewerbsnachteile drohen
Deutsche Rechenzentren gehören zu den Standorten mit den höchsten Stromkosten in Europa, was ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. Wie ein Bericht aus dem Jahr 2019 zeigte, zahlten Betreiber bis zu sechsmal höhere Abgaben und Umlagen als Nachbarländer. Branchenvertreter warnen, dass die Belastung einen Sektor bedroht, der über 200.000 Arbeitsplätze sichert und Milliardenumsätze generiert.
2019 entfielen auf deutsche Rechenzentren 113,11 Euro pro Megawattstunde (MWh) an Steuern, Umlagen und Netzentgelten – ein Vielfaches des europäischen Durchschnitts. Diese Zusatzkosten machten rund 70 Prozent der gesamten Stromrechnung aus. Besonders ins Gewicht fiel dabei die EEG-Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, die als größter Kostentreiber galt.
Zum Vergleich: In den Niederlanden, dem Land mit den niedrigsten Stromkosten für Rechenzentren in Europa, lagen die Abgaben bei nur 17,08 Euro pro MWh. Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom, betonte, dass solche Unterschiede Deutschlands Position in der digitalen Wirtschaft schwächen. Allein der deutsche Internetsektor erwirtschaftet jährlich über 100 Milliarden Euro – und ist dabei stark von einer leistungsfähigen Dateninfrastruktur abhängig.
Rohleder forderte eine Kurskorrektur in der Energiepolitik, um die Belastung zu verringern. Sein Vorschlag: Anreize nach individuellen CO₂-Emissionen schaffen, um besonders energieeffiziente Betreiber zu belohnen. Zudem sprach sich Bitkom für eine Überprüfung bestehender Gesetze aus, um Steuererleichterungen für klimafreundliche Rechenzentren zu prüfen.
Die Bedeutung der Branche geht weit über wirtschaftliche Aspekte hinaus. Deutsche Rechenzentren beschäftigen 130.000 Menschen direkt und weitere 80.000 indirekt – sie sind damit ein zentraler Baustein des Arbeitsmarktes.
Trotz ihrer volkswirtschaftlichen und beschäftigungspolitischen Relevanz bleibt die Branche durch die hohen Stromkosten unter Druck. Ohne politische Gegenmaßnahmen könnten Betreiber im Wettbewerb mit günstigeren Standorten im Ausland weiter an Boden verlieren. Die Forderung nach CO₂-basierten Anreizen und Steuerreformen zielt darauf ab, langfristig Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen.






