14 March 2026, 14:34

ETH-Professor wegen Sexismus und Mobbing angeklagt – jahrelang ohne Konsequenzen

John Bull und ein Schulmeister sitzen an einem Tisch mit einem Hut und Papieren, eine Tür und eine Ankündigung an der Wand im Hintergrund.

ETH-Professor wegen Sexismus und Mobbing angeklagt – jahrelang ohne Konsequenzen

Ein Professor der ETH Zürich sieht sich schweren Vorwürfen wegen Mobbing, Sexismus und Machtmissbrauchs ausgesetzt. Über mehrere Jahre hinweg haben weibliche Mitarbeiterinnen und Doktorandinnen ihm vorgeworfen, abwertende Bemerkungen gemacht und ein feindseliges Arbeitsklima geschaffen zu haben. Trotz mehrfacher Beschwerden blieb seine Karriere zunächst ohne Konsequenzen – bis kürzlich Maßnahmen ergriffen wurden.

Der Professor wird beschuldigt, wiederholt beleidigende Äußerungen getätigt zu haben, darunter Sätze wie "Ich hasse hässliche Frauen" und "Ich will nicht mit hässlichen Frauen zusammenarbeiten". Zeuginnen berichteten zudem, er habe weibliche Mitarbeiterinnen mit vulgären Schimpfwörtern belegt. Über die verbale Herabwürdigung hinaus soll er Mitarbeiterinnen gegeneinander ausgespielt und sich unangemessen über das Privatleben von Doktorandinnen geäußert haben.

2025 reichte eine Doktorandin eine weitere Beschwerde wegen Mobbing ein, doch die Universität sah keine ausreichenden formalen Beweise für die Vorwürfe. Dies folgte auf Jahre ähnlicher Berichte – ohne dass der Professor berufliche Konsequenzen tragen musste. Im Gegenteil: Er wurde sogar mit erweiterten Aufgaben betraut, darunter erneut die Betreuung von Doktorandinnen.

Die Vorgänge veranlassten eine interne Überprüfung, bei der die Meldestelle der ETH die Handhabung solcher Konflikte durch die Universität kritisierte. Sie kam zu dem Schluss, dass verbesserte Verfahren notwendig seien, um komplexe Fehlverhaltensfälle angemessen zu bearbeiten. Rektorin Sarah Springman räumte später die psychischen Schäden ein, die mutmaßliche Opfer erlitten hatten, und führte Maßnahmen ein, um weiteres unangemessenes Verhalten zu verhindern.

Erst 2025, nach Absprachen mit internen Gremien der ETH, zog sich der Professor schließlich aus der Betreuung von Doktorandinnen zurück. Viele Betroffene benötigen jedoch weiterhin psychologische Unterstützung, einige verließen die Abteilung sogar aufgrund seines Verhaltens.

Der Fall zeigt die anhaltenden Herausforderungen auf, mit denen akademische Einrichtungen bei der Bekämpfung von Fehlverhalten am Arbeitsplatz konfrontiert sind. Zwar hat der Professor seine Betreuungsrolle inzwischen reduziert, doch die früheren Untätigkeiten der Universität hinterließen bei den Beteiligten langfristige Folgen. Die ETH hat sich inzwischen verpflichtet, ihre Verfahren zu stärken, um ähnliche Vorfälle künftig zu verhindern.

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