15 March 2026, 20:45

EU bleibt heimlich abhängig von russischem Gas – trotz Sanktionen und Ausstiegsplänen

Eine Grafik, die Europas Abhängigkeit von russischem Erdgas zeigt, mit Prozentangaben und Text, der den Anteil der Menschen zeigt, die in Russland investiert haben.

EU bleibt heimlich abhängig von russischem Gas – trotz Sanktionen und Ausstiegsplänen

Die Abhängigkeit der EU von russischer Energie hat sich seit dem Ukraine-Krieg eher verlagert als aufgelöst. Zwar sind die Pipeline-Gasimporte drastisch zurückgegangen, doch flüssiges Erdgas (LNG) aus Russland füllt die Lücke stillschweigend auf. Neue Daten aus dem Jahr 2024 zeigen einen Anstieg der russischen Gasimporte um 18 Prozent – und werfen Fragen zur Ausstiegsstrategie des Blocks auf.

Vor dem Krieg stammten 40 Prozent der gesamten EU-Gasimporte aus russischen Pipelines. Bis 2024 sank dieser Anteil auf etwa 11 Prozent. Doch hinter diesem Rückgang verbirgt sich ein paralleler Trend: ein stetiger Anstieg der russischen LNG-Käufe. Frankreich ist mittlerweile der größte EU-Importeur – 13 Prozent seines Gasbedarfs deckt es mit russischem LNG. Auch Italien, Spanien und Belgien haben ihre Einfuhren seit 2022 erhöht.

Die EU präsentiert den Bruch mit russischer Energie als politische und strategische Notwendigkeit. Zwar wurden 2022 Einfuhrverbote für russisches Rohöl per Schiff verhängt, doch Lieferungen über die Pipeline Druschba blieben für Ungarn und die Slowakei ausgenommen. Beide Länder standen für ihre fortgesetzten Käufe in der Kritik – aktuelle Zahlen deuten jedoch darauf hin, dass sie nicht die einzigen sind.

Noch komplexer wird das Bild durch indirekte Lieferketten: In der Türkei oder Indien raffiniertes russisches Öl gelangt oft als Drittlandsexport zurück in den EU-Markt. Diese Ströme, die schwerer nachzuverfolgen sind, könnten in manchen Fällen die direkten Importe sogar übersteigen. Die Tschechische Republik, die nicht zu den größten LNG-Käufern zählt, taucht in den Daten von 2024 dennoch als bedeutender Importeur auf.

Langfristig plant die EU einen schrittweisen Ausstieg aus russischem LNG und Pipeline-Gas, wobei die Zeitpläne an bestehende Verträge geknüpft sind. Als zentrale Instrumente gelten Ersatzlieferungen, Marktflexibilität und regulatorische Aufsicht. Doch die anhaltende Nachfrage nach russischem LNG unterstreicht die Schwierigkeiten, die energetischen Bindungen vollständig zu kappen.

Die Energiewende der EU offenbart eine vielschichtige Realität: Zwar sind die Pipeline-Importe gesunken, doch russisches LNG fließt weiterhin in die großen Volkswirtschaften. Durch indirekte Wege erhöht sich die Abhängigkeit noch – sie ist weit verbreiteter, als oft dargestellt. Nun steht die Ausstiegsstrategie vor der Herausforderung, politische Ziele mit den Erfordernissen des Marktes in Einklang zu bringen.

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