EU und Australien unterzeichnen historisches Freihandelsabkommen nach zehn Jahren Verhandlungen
Hannah RichterEU und Australien unterzeichnen historisches Freihandelsabkommen nach zehn Jahren Verhandlungen
Die Europäische Union und Australien haben nach fast zehn Jahren Verhandlungen ein lang ersehntes Freihandelsabkommen finalisiert. Unterzeichnet wurde der Deal in Canberra von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und dem australischen Ministerpräsidenten Anthony Albanese. Ziel der Vereinbarung ist es, Zölle abzubauen und die wirtschaftlichen Beziehungen zu vertiefen. Doch bis März 2026 bleiben die vollen Auswirkungen des Abkommens ausgesetzt, während die Ratifizierung noch andauert.
Von der Leyen warnte zudem vor wachsenden geopolitischen Spannungen und rief zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen verbündeten Staaten auf, um gemeinsame Herausforderungen zu meistern – von Klimawandel bis hin zu Verwundbarkeiten in Lieferketten.
Das Abkommen beseitigt über 99 Prozent der Zölle auf Waren, die zwischen den beiden Regionen gehandelt werden. Australische Exporte wie Wein, Meeresfrüchte und frische Agrarprodukte können künftig zollfrei in die EU eingeführt werden, während Rindfleisch, Lammfleisch, Milchprodukte, Reis und Zucker besseren Marktzugang erhalten. Im Gegenzug fallen für australische Industriegüter alle EU-Importabgaben weg. Prognosen zufolge könnten die EU-Exporte nach Australien innerhalb eines Jahrzehnts um 33 Prozent auf jährlich 17,7 Milliarden Euro steigen, wobei besonders die Bereiche Milchwirtschaft (+48 Prozent), Fahrzeugbau (+52 Prozent) und Chemie (+20 Prozent) profitieren dürften. Die EU rechnet zudem mit jährlichen Einsparungen von rund einer Milliarde Euro bei Zollkosten.
Über den Handel hinaus umfasst das Abkommen eine neue Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft. Diese soll die Zusammenarbeit in den Bereichen Rüstungsproduktion, maritime Sicherheit, Cyberabwehr sowie die Bekämpfung von Terrorismus und Desinformation ausbauen. Von der Leyen betonte, dass die Sicherheit Europas und Australiens heute eng miteinander verknüpft sei – vereintes Handeln mache beide stärker in einer zunehmend instabilen Welt.
Während ihres Besuchs wies sie auf die Risiken hin, die mit einer zu starken Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten – insbesondere China – verbunden sind. Die Diversifizierung von Lieferketten sei entscheidend, um die wirtschaftliche und industrielle Sicherheit zu schützen, so von der Leyen. Zudem verwies sie auf das beschleunigte Tempo technologischer Entwicklungen, das es feindlichen Akteuren erlaube, Grenzen aus der Ferne zu bedrohen. Ein weiteres zentrales Thema war der Klimawandel, dessen verheerende Folgen in Europa sie skizzierte und zu gemeinsamen Anstrengungen aufrief, um die Krise zu bewältigen.
Der Handel zwischen der EU und Australien erreichte 2024 ein Volumen von 37 Milliarden Euro im Warenverkehr und 28 Milliarden Euro im Dienstleistungssektor. Das Abkommen sichert der EU zudem den Zugang zu Australiens kritischen Rohstoffen wie Lithium und Seltenen Erden – essenziell für grüne und digitale Industrien. Politisch festigt die Vereinbarung die Beziehungen in einer Zeit wachsender Spannungen im indopazifischen Raum.
Allerdings bleiben die Handelsvorteile vorerst weitgehend theoretisch. Seit dem Abschluss des Deals 2023 stockt die Umsetzung, da die vollständige Ratifizierung durch alle Beteiligten noch aussteht.
Das EU-Australien-Freihandelsabkommen verspricht erhebliche wirtschaftliche Gewinne: Zollsenkungen und erweiterter Marktzugang sollen den Handel deutlich beleben. Sobald es vollständig in Kraft tritt, wird es auch die Sicherheitszusammenarbeit stärken und gemeinsame Sorgen wie Lieferkettenrisiken, Cyberbedrohungen und Klimafolgen angehen.
Doch fürs Erste müssen Unternehmen und Regierungen abwarten. Die Ratifizierung steht noch aus – und die konkreten Auswirkungen des Abkommens lassen weiter auf sich warten.






