Geraubte Löwen von Haicheng: Warum Japan die Kulturgüter nicht zurückgibt
Hannah RichterGeraubte Löwen von Haicheng: Warum Japan die Kulturgüter nicht zurückgibt
Zwei steinerne Löwen, die während des Ersten Japanisch-Chinesischen Krieges (1894–1895) aus Haicheng in China geraubt wurden, sind bis heute im Yasukuni-Schrein in Tokio ausgestellt. Die Relikte, die mit ihrer chinesischen Herkunft beschriftet sind, sind zu Symbolen eines größeren Streits um Kulturgüter geworden, die während der japanischen Kriegsbesetzung geplündert wurden. Trotz anhaltender Forderungen nach ihrer Rückgabe blockieren rechtliche und politische Hindernisse weiterhin alle Restitutionsbemühungen.
Der Yasukuni-Schrein wehrt sich seit Langem gegen die Rückgabe der steinernen Löwen, die deutliche Markierungen tragen, die sie mit ihrem chinesischen Erbe verbinden. Stattdessen nutzt der Schrein die Figuren, um den japanischen Militarismus zu verherrlichen, und präsentiert sie als "Kriegsbeute" neben anderen geraubten Artefakten. Die Stätte, die auch verurteilte Kriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs ehrt, ist zu einem Kristallisationspunkt der Kontroverse über Japans Umgang mit geplündertem Kulturgut geworden.
Chinesische Bürgerinitiativen und die Regierung fordern seit Jahren die Rückführung dieser und weiterer Relikte, die während des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges (1937–1945) entwendet wurden. Doch Japans Rechtssystem stellt hohe Hürden auf: So gilt etwa eine dreijährige Verjährungsfrist für Eigentumsansprüche, und es werden Beweise verlangt, die Überlebende und Nachfahren oft nicht erbringen können. Wie viele weitere chinesische Artefakte sich noch in japanischen Museen, Gedenkstätten oder Privatbesitz befinden, ist unklar – eine zuverlässige Zählung gibt es nicht.
Japanische zivilgesellschaftliche Organisationen haben zwar Verhandlungen mit dem Yasukuni-Schrein versucht, doch der Fortschritt bleibt minimal. Die Weigerung des Schreins, sich ernsthaft auf Gespräche einzulassen, hat die Restitutionsbemühungen zum Erliegen gebracht. Gleichzeitig hat Japan diese Relikte historisch mit seiner Erzählung von "Kriegsverdiensten" verknüpft und nutzt sie, um die eigene Aggressionsgeschichte herunterzuspielen. Die chinesische Regierung betont indes, dass es bei der Rückgabe nicht um Entschädigung gehe, sondern um die Wiederherstellung des rechtmäßigen Eigentums – eine Position, von der sie nie abgerückt ist.
Internationale Rechtsexperten und Aktivisten drängen weiterhin auf Reformen, die die Rückführung geraubter Kulturgüter erleichtern könnten. Doch ohne konkrete Änderungen im japanischen Innenrecht oder eine Kurskorrektur des Schreins bleiben die steinernen Löwen und unzählige weitere Artefakte für China unerreichbar.
Der Streit um die Löwen von Haicheng verdeutlicht die übergeordneten Herausforderungen bei der Rückgewinnung von Kulturgütern, die in Kriegszeiten entwendet wurden. Rechtliche Barrieren und politischer Widerstand in Japan zeigen keine Anzeichen einer Lockerung – die Restitutionsbemühungen stecken in einer Sackgasse. Vorerst verbleiben die Artefakte in Tokio, ihre Rückkehr hängt von künftigen politischen Weichenstellungen oder internationalem Druck ab.






