Gysi muss scharfe Kritik von migrantischen Linken einstecken - Gregor Gysi löst neuen Antisemitismus-Streit in der Linkspartei aus
In der Linkspartei ist ein neuer Streit über Antisemitismus entbrannt, diesmal mit dem ehemaligen Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi im Mittelpunkt. Auslöser sind Vorwürfe einer von Migrant:innen geführten Gruppierung, die ihm vorwirft, mit jüngsten Äußerungen "rassistische Narrative" zu verbreiten. Der Konflikt reiht sich ein in eine Serie interner Auseinandersetzungen über die Haltung der Partei zu Israel und dem Gaza-Krieg.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Migration und Linke (Migrantische Linke) hatte Gysi in einem Schreiben für seine Aussagen in einem Focus-Interview kritisiert. Darin hatte er angedeutet, dass einige migrierte Neumitglieder "falsche Perspektiven" auf Israel hätten. Kritiker:innen werfen ihm vor, damit pauschal Migrant:innen mit Antisemitismus in Verbindung zu bringen.
Gysis Büro teilte mit, der Brief sei nie eingegangen, weshalb er sich nicht äußern werde. Unterdessen widersprach Parteico-Chef Jan van Aken Gysis Position scharf: Antisemitismus sei ein gesamtgesellschaftliches Problem und werde nicht von bestimmten Gruppen "importiert".
Der Streit eskaliert vor dem Hintergrund weiterer Spannungen in der Partei. Anfang des Jahres hatte der Landesverband Niedersachsen eine Resolution verabschiedet, in der "real existierender Zionismus" verurteilt und der israelischen Regierung "Völkermord" in Gaza vorgeworfen wurde. Zudem geriet der Berliner Kreisverband Neukölln unter Druck, nachdem er eine pro-palästinensische Veranstaltung mit einer Hamas-nahen Gruppe planten.
Gysi hatte sich wiederholt für eine Zwei-Staaten-Lösung ausgesprochen und gefordert, dass sowohl Israel als auch Palästina in Sicherheit existieren können. Gleichzeitig kritisierte er jedoch Teile der Partei für "problematische Israel-Bilder" und brachte steigenden Antisemitismus mit migrierten Neumitgliedern in Verbindung.
Der aktuelle Konflikt offenbart tiefe Gräben in der Linkspartei zu den Themen Antisemitismus, Migration und Nahostpolitik. Ohne absehbare Lösung droht der Streit die innere Einheit weiter zu zersetzen. Bisher fehlt es an konkreten Schritten der Parteiführung, um die anhaltenden Spannungen zu entschärfen.






