Historisches Katastrophenschutz-Abkommen: Warum Pazifikstaaten kaum Gehör finden
Hannah RichterHistorisches Katastrophenschutz-Abkommen: Warum Pazifikstaaten kaum Gehör finden
Verhandlungen über erstes globales Abkommen zum Katastrophenschutz laufen
Die Verhandlungen für den ersten völkerrechtlichen Vertrag zum Schutz in Katastrophenfällen – das Abkommen über den Schutz von Personen bei Katastrophen (PPED, Protection of Persons in the Event of Disasters) – haben begonnen. Ziel ist es, die wachsende Krise der katastrophenbedingten Vertreibung anzugehen. Die Annahme des Abkommens ist für Anfang 2027 geplant. Doch es gibt Bedenken, dass die besonders gefährdeten Pazifikstaaten trotz ihrer hohen Verwundbarkeit durch klimabedingte Katastrophen bisher nur begrenzt einbezogen wurden.
Katastrophen zwingen derzeit jede Sekunde zwei Menschen zur Flucht. Allein 2024 wurden 65,8 Millionen Binnenvertreibungen registriert – fast 70 Prozent davon durch Zyklone, Überschwemmungen und andere Naturgefahren verursacht. Für die Inselstaaten des Pazifiks sind solche Ereignisse eine ständige Bedrohung: Gemeinden müssen umgesiedelt werden, oft nur vorübergehend, zunehmend aber auch dauerhaft.
Die Pazifikstaaten haben bereits Maßnahmen ergriffen, um Vertreibungen zu bewältigen. Es gibt nationale Richtlinien zu Binnenvertreibung und geplanter Umsiedlung, und Initiativen wie die Falepili-Union zwischen Tuvalu und Australien schaffen besondere Mobilitätswege. Der Pazifische Regionalrahmen für Klimamobilität von 2023 stärkt zudem die regionale Widerstandsfähigkeit, indem er Mobilität in die Katastrophenhilfe integriert.
Doch der aktuelle Entwurf des PPED-Abkommens behandelt das Thema Vertreibung kaum. Der Begriff "Massenvertreibung" taucht nur einmal auf – eine kritische Lücke in den rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen. Ohne eine stärkere Berücksichtigung könnte das Abkommen Schwierigkeiten haben, die internationale Zusammenarbeit zu verbessern oder Mittel für inklusive Katastrophenvorsorge zu sichern.
Die Verhandlungen für Änderungen laufen noch bis zum 15. Mai 2026; ein überarbeiteter Entwurf wird bis September 2026 erwartet. Doch die am stärksten betroffenen Pazifikstaaten hatten bisher nur begrenzten Einfluss auf die Ausgestaltung des Vertrages.
Das PPED-Abkommen könnte zu einem zentralen Instrument im Umgang mit katastrophenbedingter Vertreibung werden – vorausgesetzt, es enthält klarere Regelungen. Eine deutliche Anerkennung des Themas könnte helfen, rechtliche Rahmenwerke zu harmonisieren, die Finanzierung zu stärken und regionale Reaktionen zu verbessern. Die endgültige Annahme ist für 2027 vorgesehen, doch seine Wirkung wird davon abhängen, wie gut es die Bedürfnisse der gefährdetsten Gemeinschaften widerspiegelt.






