Italien verschiebt Kohleausstieg auf 2038 – Klimaziele in Gefahr
Italien kommt beim Ausstieg aus der Kohle nicht wie geplant voran. Die Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat die geplante Schließung der Kohlekraftwerke von 2025 auf 2038 verschoben. Diese Entscheidung fällt in eine Zeit, in der das Land mit hohen Energiepreisen und stockendem Ausbau der erneuerbaren Energien kämpft.
Derzeit deckt Italien seinen Strombedarf vor allem durch Gaskraftwerke und erneuerbare Energien. Wasserkraft, Solar- und Windenergie zusammen kommen auf etwa 40 Prozent des Bedarfs. Doch der Ausbau der Windkraft stagniert, was Lücken in der Energieversorgung hinterlässt.
Ursprünglich wollte das Land die Kohle bis Ende 2025 vollständig abschaffen. Nun wurde diese Frist um mehr als ein Jahrzehnt verlängert. Melonis Regierung drängt zudem die EU, die CO₂-Bepreisung im Rahmen des Emissionshandels vorläufig auszusetzen – ein Schritt, der Kohle wieder attraktiver machen könnte.
Italien verfügt ohnehin nur über eine begrenzte Kohlekapazität. Selbst bei Volllast könnten die beiden verbleibenden Kraftwerke – eines in Civitavecchia, das andere in Brindisi – jährlich lediglich 10 Terawattstunden (TWh) Strom erzeugen. Kohle bleibt unwirtschaftlich, es sei denn, die Gaspreise steigen auf über 70 Euro pro Megawattstunde.
Atomkraft kommt unterdessen nicht infrage. Italien hatte die Technologie nach einem Referendum 1986 – als Reaktion auf die Katastrophe von Tschernobyl – aufgegeben. 2010 lehnten 94 Prozent der Italiener in einer Abstimmung eine Rückkehr zur Kernenergie ab.
Die Verzögerung beim Kohleausstieg bedeutet, dass Italien noch Jahre auf diesen Energieträger angewiesen bleibt. Da der Ausbau der erneuerbaren Energien nur langsam vorankommt und die Atomkraft keine Option ist, steht das Land vor anhaltenden Herausforderungen, Energiepreise und Klimaziele in Einklang zu bringen. Der Vorstoß der Regierung, die CO₂-Bepreisung zu lockern, könnte die energetische Zukunft Italiens zusätzlich prägen.






