Kempten wählt neuen Oberbürgermeister – CSU verliert nach 30 Jahren die Macht
Hannah RichterKempten wählt neuen Oberbürgermeister – CSU verliert nach 30 Jahren die Macht
Politische Wende in Kempten: Nach 30 Jahren CSU-Herrschaft wählen die Bürger einen neuen Oberbürgermeister
Nach drei Jahrzehnten ununterbrochener Führung durch die Christlich-Soziale Union (CSU) hat sich die politische Landschaft in Kempten grundlegend verändert. Die Wähler der Stadt haben Christian Schoch von den Freien Wählern (FW) zum neuen Oberbürgermeister gewählt und damit die lange Ära der CSU an der Stadtspitze beendet. In der Stichwahl sicherte sich Schoch 55 Prozent der Stimmen und setzte sich deutlich gegen den Amtsinhaber Thomas Kiechle durch.
Die CSU hatte das Kemptener Rathaus 1996 erstmals unter ihre Kontrolle gebracht, als Ulrich Netzer die Oberbürgermeisterwahl gegen den damaligen SPD-Amtsinhaber gewann. Unter Netzer dominierte die Partei die lokale Politik und erreichte im selben Jahr 52 Prozent der Stimmen bei der Stadtratswahl. SPD und Grüne blieben stabile Minderheiten – die SPD mit etwa 25 bis 30 Prozent, die Grünen mit rund 10 bis 15 Prozent.
2014 übergab Netzer das Amt an Thomas Kiechle, den Sohn des ehemaligen Bundeslandwirtschaftsministers Ignaz Kiechle. Kiechle regierte zwei Amtszeiten lang und festigte die CSU-Vorherrschaft. Doch im Laufe der Zeit verschob sich das politische Kräfteverhältnis in der Stadt. Bei der Stadtratswahl 2020 legten die Grünen deutlich auf 28 Prozent zu, während die CSU auf 30 Prozent fiel. Die Freien Wähler verzeichneten ebenfalls Zuwächse und erreichten 20 Prozent, die SPD sank auf 15 Prozent.
An der jüngsten Oberbürgermeisterwahl beteiligten sich 43,6 Prozent der Wahlberechtigten. Kiechle, der eine dritte Amtszeit anstrebte, trat in der Stichwahl gegen Schoch an, nachdem im ersten Wahlgang kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht hatte. Schochs Sieg markiert das erste Mal seit 30 Jahren, dass die CSU nicht mehr an der Spitze der Stadt steht.
Schochs Wahlspiegel die veränderten politischen Präferenzen in Kempten wider, wo progressive und grün-liberale Strömungen an Einfluss gewinnen. Während die Freien Wähler nun das Oberbürgermeisteramt stellen, hat die CSU an Dominanz eingebüßt. Die neue Stadtregierung übernimmt ihr Amt in einem vielfältigeren und wettbewerbsintensiveren politischen Umfeld.






