17 March 2026, 12:34

Kreditklemme in Brandenburg: Warum immer weniger Haushalte und Firmen Darlehen aufnehmen

Ein altes deutsches Banknoten mit einer Vogeldarstellung und der Aufschrift "Deutsche Bank und Disconto-Gefellichaft Berlin".

Kreditklemme in Brandenburg: Warum immer weniger Haushalte und Firmen Darlehen aufnehmen

Kreditnachfrage in Brandenburg bricht stark ein – Zinsen steigen weiter

In Brandenburg ist die Nachfrage nach Krediten im ersten Halbjahr 2023 deutlich eingebrochen. Die Sparkassen in der Region vergaben mit nur noch 1,1 Milliarden Euro neue Darlehen – ein Rückgang um 36,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die steigenden Kreditzinsen haben viele Haushalte und Unternehmen dazu veranlasst, finanzielle Verpflichtungen aufzuschieben.

Der Rückgang fällt in eine Phase, in der die Zinsen für Verbraucherkredite in Deutschland auf den höchsten Stand seit Jahren gestiegen sind. Im Februar 2023 lag der durchschnittliche effektive Jahreszins bei 7,56 Prozent – nach 5,41 Prozent im Jahr 2022. Auch im Sommer 2025 blieben die Sätze hoch und pendelten sich zwischen 7,40 und 8,00 Prozent ein.

Eine zentrale Rolle bei dieser Entwicklung spielte die Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB). Nach Jahren der Niedrig- und Negativzinsen sowie der pandemiebedingten Stimulusmaßnahmen begann die EZB 2022 mit einer Reihe drastischer Zinserhöhungen, um die Inflation einzudämmen, die später im selben Jahr auf über 10 Prozent kletterte. Faktoren wie die Energiekrise nach Russlands Angriff auf die Ukraine und das Auslaufen der Corona-Hilfsprogramme trieben die Zinsen zusätzlich in die Höhe.

In Brandenburg und Berlin bieten die Sparkassen zwar noch etwas günstigere Konditionen als im Bundesdurchschnitt. So liegt der Zinssatz für Dispositionskredite dort bei durchschnittlich 11,16 Prozent – bundesweit sind es 16,32 Prozent. Auch Ratenkredite sind vor Ort mit 8,80 Prozent günstiger als im deutschen Sparkassenschnitt von 11,34 Prozent. Doch selbst diese vergleichsweise niedrigeren Sätze konnten den Rückgang der Kreditvergabe nicht aufhalten.

Von den 1,1 Milliarden Euro, die im ersten Halbjahr 2023 vergeben wurden, entfielen 584 Millionen auf Privatpersonen, während Unternehmen und Selbstständige 516 Millionen Euro aufnahmen. Viele potenzielle Immobilienkäufer haben ihre Pläne vorerst auf Eis gelegt – abgeschreckt von den hohen Finanzierungskosten, explodierenden Baukosten und der allgemeinen Teuerung. Für kleinere Kredite, etwa einen 10.000-Euro-Kredit über 48 Monate, liegen die Zinsen mittlerweile zwischen 4,99 und 9,25 Prozent.

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Die Kombination aus strafferer Geldpolitik und wirtschaftlicher Unsicherheit hat das Kreditverhalten grundlegend verändert. Sowohl Hypotheken- als auch Modernisierungskredite gehen zurück, während Haushalte und Unternehmen sich an die neuen, teureren Rahmenbedingungen anpassen. Zwar bieten die Sparkassen in Brandenburg und Berlin nach wie vor etwas günstigere Konditionen, doch der allgemeine Trend deutet auf eine weiter sinkende Kreditaktivität hin.

AKTUALISIERUNG

Krediteinbrüche in Brandenburg führen auf 2022 regionale Talfahrt zurück

Neue Analyse zeigt, dass der scharfe Rückgang der Kredite in Brandenburg früher einsetzte als gemeldet. Im Jahr 2022 genehmigten Sparkassen in Ostdeutschland Kredite in Höhe von 10 Milliarden Euro - 30,3 Prozent weniger als im Jahr 2021. Private Kredite sanken um 36,3 Prozent auf 3,94 Milliarden Euro, während die Kredite für den Wohnungsbau um 39,2 Prozent auf 4,69 Milliarden Euro zurückgingen. Diese regionale Entwicklung legte die Grundlage für den Rückgang um 36,4 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro in Brandenburgs H1 2023.

Quelle