Kurfürstendamm im Ausnahmezustand: Streit um Prostitution, Drogen und Sicherheit
Hannah RichterKurfürstendamm im Ausnahmezustand: Streit um Prostitution, Drogen und Sicherheit
In Berlins Kurfürstendamm-Viertel steigen die Spannungen: Anwohner, Unternehmen und Politiker streiten darüber, wie die wachsende Straßenprostitution und drogenbedingte Kriminalität eingedämmt werden können. Während die CDU verschärfte Maßnahmen fordert, warnen Kritiker, dass diese schutzbedürftige Gruppen gefährden und den Zugang zu Hilfsangeboten erschweren könnten.
Die CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung von Tempelhof-Schöneberg rief zu einer „sofortigen Offensive für Sicherheit und Sauberkeit“ im Kiez auf. Sie setzt sich für ein Verbot des Straßenstrichs ein und will das Gebiet zur „Gefahrenzone“ erklären, um mehr Polizeistreifen zu ermöglichen.
Anwohner berichten von einem deutlichen Anstieg von Diebstählen, Gewalt und drogenbezogenen Vorfällen. Eltern trauen sich kaum noch, ihre Kinder allein nach draußen zu lassen, nachdem Fremde in Wohnhäuser und Garagen eingedrungen seien. Manche Frauen meiden es mittlerweile, abends allein unterwegs zu sein – aus Angst vor Übergriffen.
Die SPD lehnt den CDU-Vorschlag ab und argumentiert, ein Verbot würde Sexarbeiterinnen und Drogenkonsumenten weiter in die Illegalität drängen. Dadurch verlören sie den Zugang zu lebenswichtigen Hilfsangeboten, so die Partei. Demonstranten unterstützten diese Bedenken und warnten, dass marginalisierte Gruppen aus der Stadt vertrieben oder in die Unsichtbarkeit abgedrängt würden.
Auch das Café Olga, eine Anlaufstelle, die Sexarbeiterinnen Beratung und medizinische Versorgung bietet, steht nun vor der Schließung. Sein Wegfall würde eine zentrale Ressource für viele im Viertel beseitigen. Anne Bonny von Hydra, einer Organisation zur Unterstützung von Sexarbeiterinnen, appellierte an wohlhabendere Anwohner, sich für gemeinsame Sicherheit einzusetzen, statt die Schwächsten auszuschließen.
Die Debatte zeigt den Konflikt zwischen Ordnungspolitik und dem Schutz gefährdeter Gruppen. Zwar könnte ein Verbot des Straßenstrichs die Polizeipräsenz erhöhen – doch gleichzeitig droht der Zugang zu wichtigen Hilfsangeboten verloren zu gehen. Die Zukunft von Einrichtungen wie dem Café Olga bleibt ungewiss, während die Diskussionen weitergehen.
