Lissabons Kulturstreit: Soll der Staat regierungskritische Museen und Theater finanzieren?
Hannah RichterLissabons Kulturstreit: Soll der Staat regierungskritische Museen und Theater finanzieren?
In Lissabon hat sich die Debatte über die Förderung von Kulturinstitutionen zugespitzt, nachdem eine Stadträtin der rechtsextremen Partei Chega argumentierte, dass Einrichtungen, die als regierungskritisch gelten, keine Unterstützung erhalten sollten. Im Mittelpunkt des Streits steht die Frage, ob Steuergelder an Theater und Museen fließen sollten, die rechtspolitische Positionen infrage stellen. Auch linke Politiker kritisierten unterdessen die Abwesenheit des Bürgermeisters bei den Diskussionen.
Ausgelöst wurde die Kontroverse durch Äußerungen von Margarida Bentes Penedo, Stadträtin von Chega, die erklärte, eine rechtsgerichtete Regierung dürfe keine Kultureinrichtungen finanzieren, die gegen sie arbeiteten. Ihre Aussagen folgten früheren Forderungen des Chega-Vorsitzenden André Ventura, der Reformen in Institutionen wie dem Museu Nacional de Arte Contemporânea (MNAC) und dem Teatro Nacional D. Maria II verlangt hatte – beide wirft er vor, "woke"-Ideologien zu verbreiten.
Der Vizepräsident des Lissabonner Stadtrats mahnte später zu mehr Zurückhaltung bei der Förderung des TBA-Theaters und des Museu do Aljube. Linke Vertreter warfen Bürgermeister Carlos Moedas hingegen vor, sich aus der Debatte herauszuhalten, was die Ratsversammlung in der Kulturpolitik spaltet.
Erstmals aufgetaucht war das Thema im Januar 2026 während einer Parlamentsdebatte, als Chega Änderungen bei der Vergabe öffentlicher Mittel an Kunst- und Kultureinrichtungen forderte. Kritiker warnen vor politischer Einflussnahme auf die künstlerische Freiheit, während Befürworter betonen, Steuerzahler sollten keine Institutionen subventionieren, deren Ausrichtung sie ablehnen.
Der Konflikt spiegelt die wachsenden Spannungen zwischen den politischen Lagern in Lissabon wider. Während Chega auf Reformen drängt und linke Gruppen Widerstand leisten, steht der Kulturbereich der Stadt vor einer ungewissen Zukunft. Die Abwesenheit des Bürgermeisters bei zentralen Gesprächen hat die Verärgerung unter den Gegnern der geplanten Änderungen zusätzlich geschürt.






