Marokkanischer Rapper L7assal wegen Kritik an Israel-Abkommen zu Haft verurteilt
Mila VoigtMarokkanischer Rapper L7assal wegen Kritik an Israel-Abkommen zu Haft verurteilt
Ein marokkanisches Gericht hat den Rapper Souhaib Qabli, bekannt unter seinem Künstlernamen L7assal, zu acht Monaten Haft verurteilt. Das Urteil folgt auf den Vorwurf der Beleidigung einer verfassungsmäßigen Institution – ein Fall, der sowohl bei Unterstützern als auch Menschenrechtsorganisationen für Aufsehen sorgt. Qabli, der auch eine Ausbildung zum Kälte- und Klimatechniker absolviert hat, befand sich seit seiner Festnahme Anfang dieses Monats in Untersuchungshaft.
Die rechtlichen Probleme des Rappers haben ihren Ursprung in seiner Musik, die die Entscheidung Marokkos kritisiert, im Rahmen der Abraham-Abkommen die Beziehungen zu Israel zu normalisieren. In seinem Song "Nein zur Normalisierung" setzt er sich direkt mit diesem Thema auseinander. Seine Texte behandeln zudem weitergehende Anliegen wie öffentliche Dienstleistungen und Meinungsfreiheit.
Ursprünglich war Qabli wegen mehrerer Straftaten angeklagt, darunter Beleidigung von Amtsträgern und Verbreitung falscher Behauptungen. Das Gericht sprach ihn jedoch von diesen Vorwürfen frei und verurteilte ihn ausschließlich wegen der Beleidigung einer verfassungsmäßigen Institution. Neben der Haftstrafe wurde er zu einer Geldstrafe von etwa 100 Euro verurteilt.
Vor dem Gerichtsgebäude in Taza versammelten sich Dutzende Unterstützer, um Qablis Freilassung zu fordern. Menschenrechtsorganisationen in Marokko werten den Fall als politischen Versuch, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen. Zwar garantiert die Verfassung des Landes die Meinungsfreiheit, doch bestimmte Äußerungen können weiterhin strafrechtlich verfolgt werden.
Qablis Anwaltsteam hat bereits angekündigt, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Die achtmonatige Haftstrafe und die Geldbuße sind die jüngste Entwicklung in einem Fall, der die Debatte über künstlerische Freiheit in Marokko neu entfacht hat. Die Berufung wird entscheiden, ob das Urteil Bestand hat oder aufgehoben wird. Bis dahin bleibt Qabli eine zentrale Figur in den Diskussionen über Meinungsäußerung und politische Kritik im Land.






