Mexikos neue Arbeitsgesetze scheitern an der Realität der Gig-Arbeiter
Emil LangeMexikos neue Arbeitsgesetze scheitern an der Realität der Gig-Arbeiter
Neue Arbeitsgesetze in Mexiko gewähren Plattformarbeitern Sozialleistungen – doch die meisten scheitern an den Hürden
Seit Januar 2024 haben Gig-Arbeiter in Mexiko zwar Anspruch auf soziale Absicherung, doch nur ein kleiner Teil der rund 1,2 Millionen Plattformbeschäftigten erfüllt die Verdienstgrenzen für den vollen Leistungsumfang. Viele bleiben damit weiterhin ohne Zugang zu zentralen Schutzmechanismen.
Durch aktuelle Änderungen im mexikanischen Bundesarbeitsgesetz (Ley Federal del Trabajo) erhalten Arbeiter auf Plattformen wie Uber, DiDi und Rappi nun zwar Anspruch auf Sozialversicherungsleistungen – darunter Krankenversorgung, Erwerbsunfähigkeitsrente und Altersvorsorge, selbst bei Arbeitsunfällen. Doch die Regelungen setzen eine hohe finanzielle Messlatte.
Um über das Mexikanische Sozialversicherungsinstitut (IMSS) vollen Leistungsschutz zu erhalten, müssen Beschäftigte mittlerweile fast 19.000 Pesos monatlich verdienen – fast das Doppelte des Mindestlohns. Paradoxerweise verlangt das Gesetz für die Anerkennung als Arbeitnehmer eigentlich nur ein Mindesteinkommen. Die Lücke entsteht, weil von den Einnahmen ein prozentualer Anteil für berufsbedingte Ausgaben abgezogen wird, was das deklarierte Gehalt – und damit die Bemessungsgrundlage für Leistungen – schmälert.
Bis Anfang 2026 hatten sich zwar rund 200.000 Gig-Arbeiter im IMSS-System registriert, doch das entspricht lediglich 10 Prozent der Branchenbeschäftigten. Zudem führt das Modell zu Instabilität bei anderen Leistungen wie der Wohnraumförderung durch Infonavit, da Arbeiter häufig zwischen Ein- und Austritt aus dem IMSS wechseln.
Rappi Mexiko plädiert dafür, die Abzugssätze auf Basis von Pilotprogrammen anzupassen. Das Unternehmen verweist auf die flexible Natur der Plattformarbeit als Grund, die aktuellen Schwellenwerte zu überdenken.
Zwar erweitern die neuen Vorschriften den Sozialschutz für Gig-Arbeiter, doch die Verdienstvoraussetzungen bleiben für die Mehrheit unerreichbar. Mit nur einem Zehntel der Beschäftigten, die die Kriterien erfüllen, lässt das System viele ohne stabilen Zugang zu Leistungen zurück. Plattformen und Politiker ringen weiterhin um einen Ausgleich zwischen Flexibilität und fairer Absicherung.






