Mietpreise explodieren – doch die Wohnfläche schrumpft dramatisch weiter
Emil LangeMietpreise explodieren – doch die Wohnfläche schrumpft dramatisch weiter
Mieten in Deutschland steigen stark an, während die Wohnfläche fürs gleiche Geld immer weiter schrumpft. Eine neue Studie zeigt: In vielen Städten bekommt man für denselben Mietpreis heute deutlich weniger Quadratmeter als noch vor zwei Jahren. Steigende Kosten und ein begrenzter Wohnraumangebot verschärfen das Problem – und das längst nicht mehr nur in den großen Ballungsräumen.
Besonders deutlich wird der Flächenverlust in Städten wie Wiesbaden. Im März 2022 reichte eine Kaltmiete von 1.000 Euro noch für eine durchschnittliche Wohnung mit 91 Quadratmetern. Heute sind es für denselben Betrag nur noch 82 Quadratmeter – ein Verlust von neun Quadratmetern seit 2020. Noch dramatischer ist die Entwicklung in Berlin und Hamburg: Hier erhalten Mieter für dasselbe Geld heute 16 beziehungsweise 12 Quadratmeter weniger.
Doch das Problem beschränkt sich nicht auf diese Städte. Von 80 untersuchten urbanen Gebieten verzeichnen 60 einen Rückgang der bezahlbaren Wohnfläche um mindestens zehn Prozent. Im Ruhrgebiet führen selbst moderate Mietsteigerungen zu zweistelligen prozentualen Sprüngen – ein Phänomen, das Experten als „Nachholeffekt“ bezeichnen.
Mehrere Faktoren treiben diese Entwicklung voran. Explodierende Baukosten machen Neubauten für viele Investoren unrentabel und bremsen so den dringend benötigten Wohnungsbau. Die seit 2022 gestiegenen Zinsen haben zudem viele potenzielle Käufer vom Immobilienmarkt verdrängt und zwingen sie in den Mietsektor. Gleichzeitig geben Vermieter steigende Instandhaltungskosten an die Mieter weiter – was die Mieten weiter in die Höhe treibt. Die Folge ist ein „Überlaufeffekt“: Weil Großstädte für viele unbezahlbar werden, steigen Nachfrage und Preise auch in benachbarten Kommunen.
Immowelt-Chef Theo Mseka warnt, dass sich die Abwärtsspirale aus schrumpfenden Wohnflächen und steigenden Mieten ohne gezielte Entlastung für den Wohnungsbau weiter verschärfen werde.
Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. Solange Baukosten und Zinsen hoch bleiben, wird der Druck auf Mieter weiter zunehmen. Ohne Gegenmaßnahmen gegen den Wohnraummangel müssen sich Mieter in den kommenden Jahren wohl auf noch weniger Fläche für ihr Geld einstellen.






