Migrationsstreit spaltet CDU/CSU und EVP nach AfD-Erfolgen in Bayern und Hessen
Lina SeidelMigrationsstreit spaltet CDU/CSU und EVP nach AfD-Erfolgen in Bayern und Hessen
Neue Unruhen erschüttern Deutschlands politische Landschaft nach Wahlen und Streit um Migrationspolitik
Nach den jüngsten Wahlen und Konflikten um die Migrationspolitik steht die deutsche Politik vor frischen Turbulenzen. Die rechtspopulistische AfD verdoppelte ihre Unterstützung in Bayern und Hessen und bringt damit das traditionelle Parteigefüge durcheinander. Gleichzeitig spitzen sich die Spannungen innerhalb der unionsgeführten CDU/CSU und der Europäischen Volkspartei (EVP) zu, nachdem Vorwürfe über eine Zusammenarbeit mit rechtsextremen Kräften laut wurden.
Die seit langem im EVP-Bündnis verbundenen Schwesterparteien CDU und CSU sind sich in der Migrationsfrage uneins. Berichten zufolge koordinierten EVP-Abgeordnete – darunter Vertreter von CDU und CSU – in WhatsApp-Chats und bei Treffen mit rechtsextremen Gruppen die Durchsetzung eines Gesetzesvorhabens, das Abschiebungen in externe "Rückkehrzentren" ermöglichen soll. Der Entwurf passierte zwar den Ausschuss, löste aber empörte Reaktionen aus.
CDU-Chef Friedrich Merz hatte zunächst Manfred Weber, den Fraktionsvorsitzenden der EVP im Europaparlament, für diese Annäherung kritisiert. Mittlerweile hat Merz jedoch einen Kurswechsel vollzogen und würdigte bei einem jüngsten Parteitag sogar die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel – eine bemerkenswerte Kehrtwende, hatte er doch einst ihre gemäßigtere Linie abgelehnt und sich nun scheinbar wieder an sie angenähert.
Die SPD warnte unterdessen, sie werde jede EU-Resolution zur Migration "verzögern oder verwässern" und wirft der EVP vor, sich rechtem Druck zu beugen. Weber bestreitet zwar eine formelle Kooperation mit Gruppen wie der AfD, doch gibt es Belege für gemeinsame Initiativen bei Abschiebemaßnahmen. Stattdessen macht er die SPD für die Blockade der Politik verantwortlich – obwohl er selbst einst eine "Brandmauer" gegen Rechtsextreme versprach.
Auch aus dem Ausland kommt Kritik: Der schwedische Politiker Charlie Weimers von den Schwedendemokraten bezeichnete die Weigerung der EVP, mit rechtspopulistischen Parteien zusammenzuarbeiten, als überholt. Der Streit offenbart tiefe Gräben, und einige fürchten, dass das Migrationsabkommen von CDU/CSU am Widerstand der Linken scheitern könnte.
Die Auseinandersetzung lässt die deutsche Migrationspolitik in der Schwebe. Die CDU/CSU steht zwischen EVP-Bündnissen und innerdeutscher Kritik, während die AfD mit ihren Wahlerfolgen zusätzlichen Druck ausübt und die SPD-Drohungen, EU-Maßnahmen zu blockieren, Fortschritte ausbremsen könnten. Vorerst bleibt die politische Gemengelage ungelöst – eine klare Lösung ist nicht in Sicht.






