Mit 95 Jahren: Die älteste Schweizer Olympiasiegerin blickt zurück
Mit 95 Jahren ist Madeleine Chamot-Berthod immer noch die älteste lebende Olympische Siegerin der Schweiz. Ihr Goldmedaillengewinn im Abfahrtslauf der Frauen bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina d'Ampezzo war ein historischer Moment. Den Sieg errang sie auf einer tückischen Strecke, wo sie ihre Konkurrentinnen um mehr als vier Sekunden distanzierte.
Chamot-Berthod wuchs in Château-d'Œx auf, wo sie die Arbeit auf dem Bauernhof mit dem Skifahren zur Schule im Winter verband. Als Teenager entdeckte sie ihre Leidenschaft für Geschwindigkeit, nachdem sie sich mit dem Erlös aus dem Schafverkauf ein Motorrad gekauft hatte. Dieser furchtlose Geist prägte später ihren Rennstil.
Die Tofana-Piste in Cortina d'Ampezzo war gnadenlos: Buckel, massive Holztore und hohe Bäume säumten die Strecke. Trotz der Herausforderungen dominierte sie das Rennen und beendete es mit großem Vorsprung vor ihrer Landsfrau Frida Dänzer, die Silber gewann. Die Siegerehrung berührte sie zutiefst, als sie die Schweizer Nationalhymne für ihren Triumph erklang.
Nach ihrer Rückkehr empfing sie ihre Heimatstadt mit Feierlichkeiten. Heute liegt ihre Goldmedaille bescheiden in einer Pappkarton-Schachtel, zwischen anderen Erinnerungsstücken. Noch immer verfolgt sie Skirennen mit dem scharfen Blick einer Rennläuferin und erkennt oft, wo die Konkurrenten wertvolle Sekunden hätten sparen können.
Aktuelle Trainingsläufe für die Olympischen Spiele 2026 zeigen, wie anspruchsvoll die Piste nach wie vor ist. Durch tauendes Wetter ist die Oberfläche eisig und uneben geworden – ähnlich den Bedingungen, die Chamot-Berthod einst meisterte.
Ihr Vermächtnis lebt weiter, nicht nur durch ihren olympischen Triumph, sondern auch durch ihre lebenslange Verbindung zu Geschwindigkeit und den Bergen. Die Tofana-Piste, die Rennläufer noch heute herausfordert, steht als Mahnmal für ihr Können und ihre Entschlossenheit. Ihre Geschichte bleibt ein Zeugnis sportlicher Brillanz und bescheidener Anfänge.