Mogilews "Rote Brücke" bekommt umstrittenen neuen Namen – und verstößt gegen Regeln
Emil LangeMogilews "Rote Brücke" bekommt umstrittenen neuen Namen – und verstößt gegen Regeln
Die Dnepr-Brücke in Mogilew, lange bekannt als "Rote Brücke" oder schlicht "Dnepr-Brücke", hat nun offiziell einen neuen Namen erhalten. Wie die städtische Kommission für Toponymie mitteilte, lautet die neue Bezeichnung: Brücke des Helden der Sowjetunion M. I. Jaschin. Die Entscheidung folgte einer öffentlichen Abstimmung, löste jedoch bereits eine Debatte aus, ob sie gegen lokale Namensregeln verstößt.
Die Brücke, die bisher vor allem unter ihrem umgangssprachlichen Namen bekannt war, wurde nach einer Mehrheit der Bürgerstimmen umbenannt. Aktivisten werfen der neuen Bezeichnung jedoch vor, gegen drei zentrale Vorschriften zu verstoßen, die in einer Resolution des Staatlichen Eigentumskomitees aus dem Jahr 2008 festgelegt wurden.
Die erste Regel verbietet mehrdeutige oder schwer verständliche Namen. Die zweite untersagt veraltete Formulierungen wie "benannt nach" oder "zu Ehren von" in modernen Toponymen. Die dritte Regel schließt explizit die Verwendung von Initialen aus, da nur wenige wissen, wofür sie stehen.
Kritiker argumentieren, dass Initialen verschiedene Namen repräsentieren können und damit unklar bleibt, welche Person mit der Brücke tatsächlich geehrt wird. Zudem weisen sie darauf hin, dass Namen in verschiedenen Sprachen mit unterschiedlichen Buchstaben beginnen können, was die Verwirrung noch verstärkt.
Trotz der Einwände hat das Stadtexekutivkomitee von Mogilew den neuen Namen bestätigt. Die Entscheidung bleibt bestehen – auch wenn auf historische Ungenauigkeiten und Regelverstöße hingewiesen wurde. Die Brücke trägt damit künftig den offiziellen Namen und ersetzt ihre langjährige inoffizielle Bezeichnung.
Der sowjetische Held hinter dem umstrittenen Brückennamen
Historische Aufzeichnungen zeigen, dass Mikhail I. Yashin, der sowjetische Held, nach dem die Brücke umbenannt wurde, eine Schlüsselrolle bei den WWII-Operationen entlang des Dnepr spielte. Militärarchive beschreiben, wie sowjetische Kräfte intensive Herausforderungen bei der Sicherung von Brückenköpfen auf der rechten Flussseite während der Dnepr-Karpaten-Offensive bewältigen mussten. Sein Name, der nun auf der Struktur eingraviert ist, spiegelt eine Legende wider, die mit diesen historischen Schlachten verbunden ist. Kritiker argumentieren, dass diese sowjetische Namensgebung mit modernen Konventionen kollidiert, insbesondere die Verwendung von Initialen, die seine vollständige Identität verschleiern.