Musikbranche fordert faire Streaming-Vergütung für Künstler:innen in Deutschland
Lina SeidelMusikbranche fordert faire Streaming-Vergütung für Künstler:innen in Deutschland
Deutschlands Musikbranche steht vor Forderungen nach grundlegenden Reformen – Streaming dominiert den Markt
In den vergangenen fünf Jahren sind die Einnahmen aus Plattformen wie Spotify und Apple Music von 55 auf über 70 Prozent der Gesamtumsätze gestiegen. Doch viele Künstler:innen geben an, kaum finanziell von diesem Wachstum zu profitieren. Nun soll die Politik für mehr Fairness und Transparenz bei der Vergütung sorgen.
Von der Streaming-Welle profitieren vor allem internationale Stars wie Taylor Swift, Drake und Billie Eilish sowie die großen Labels Universal Music Group und Sony Music. Zwischen 2021 und 2025 stiegen die Streaming-Einnahmen in Deutschland jährlich um 12 bis 15 Prozent – und veränderten die Branche grundlegend. Lokale Musiker:innen und unabhängige Labels berichten hingegen, nur einen Bruchteil dieser Erlöse zu erhalten.
Bundesregierung will Vergütungsmodelle reformieren Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, leitet nun Gespräche zur Reform der Entlohnungsstrukturen. Geplant sind Treffen mit Streaming-Diensten sowie ein Runden Tisch mit Künstler:innen, Labels und Plattformen, um gemeinsame Lösungen zu finden. Seine Vorgängerin, Claudia Roth, hatte bereits eine Studie in Auftrag gegeben, die systemische Mängel bei der Künstlervergütung aufdeckte – und damit eine Debatte über globale Einnahmeungleichheiten auslöste.
Branchenvertreter fordern mehr Transparenz und faire Verteilung Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI), betont zwar, dass Labels stark in Künstler:innen investieren, kritisiert aber die ungleiche Einnahmeverteilung durch die Plattformen. Verena Bößmann vom Verband unabhängiger Musikunternehmen (VUT) fordert klarere Transparenzregeln und eine Überprüfung der Auszahlungsmodalitäten. Weimer zeigt sich zudem offen für Pflichtkennzeichnungen von KI-generierter Musik – räumt jedoch ein, dass die Rolle von KI in kreativen Prozessen komplex zu definieren sei.
Urheberrechtsschutz im digitalen Zeitalter stärken Über das Streaming hinaus will Weimer den Schutz geistigen Eigentums in der digitalen Wirtschaft ausbauen. Er verweist auf breite politische Unterstützung für eine Anpassung der Gesetze, die den plattformgetriebenen Markt besser abbilden und Schöpfer:innen fairer behandeln sollen.
Die von Weimer angestoßenen Diskussionen könnten die Vergütung von Künstler:innen in Deutschlands wachsendem Streaming-Sektor neu gestalten. Mit Labels, Musiker:innen und Plattformen am Verhandlungstisch geht es nun darum, ein gerechteres System zu schaffen – eines, das Vielfalt und Kreativität fördert. Gleichzeitig müssen Lösungen für den wachsenden Einfluss von KI und die Dominanz internationaler Acts auf dem deutschen Markt gefunden werden.