15 March 2026, 00:01

Nahost-Krise legt globalen Tourismus lahm – ITB Berlin kämpft ums Überleben

Ein Vintage-Plakat, das Fahrräder und Automobile in Cottereau und Dijon, Frankreich, bewirbt, mit Menschen, die Fahrräder fahren und eine Kutsche mit dem Text "Fahrräder und Automobile" oben.

Nahost-Krise legt globalen Tourismus lahm – ITB Berlin kämpft ums Überleben

Reisebranche in der Krise: Nahost-Luftraumsperren legen globalen Tourismus lahm

Die Reiseindustrie steht vor massiven Einschränkungen, da sich die Schließungen des Luftraums im Nahen Osten zuspitzen. Über 700 Flüge wurden gestrichen, Tausende Reisende sitzen fest, und Deutschland organisiert Evakuierungen aus dem Persischen Golf. Unterdessen kämpft die ITB Berlin – in diesem Jahr zum 60. Jubiläum – mit abspringenden Ausstellern, leeren Ständen und logistischem Chaos.

Die Messe, normalerweise ein globaler Drehund Angelpunkt des Tourismus, spiegelt nun die allgemeine Instabilität der Branche wider – selbst wenn einige Reiseziele mit neuen Attraktionen um Besucher werben, um die Ausfälle anderswo auszugleichen.

Die Krise im Nahen Osten erschüttert die Reisebranche seit Anfang März 2026. Airlines wie Emirates stellten den Betrieb in Dubai bis mindestens zum 2. März ein, während deutsche Behörden die Evakuierung von Staatsbürgern aus dem Persischen Golf organisierten. Die ITB Berlin, die weltweit größte Reisemesse, kam nahezu zum Erliegen: Viele Aussteller konnten wegen der Flugsperren nicht anreisen. Der Stand Israels blieb leer, während Palästina nach einjähriger Abwesenheit überraschend zurückkehrte – die Delegation reiste über Jordanien an.

Weltweite Tourismuskonzerne kämpfen um Anpassungen. Die thailändische Tourismusbehörde aktivierte ein Krisenzentrum, um gestrandete Reisende zu unterstützen, und setzt auf Wachstumsmärkte, um die Verluste im Nahen Osten auszugleichen. Airlines leiten Flüge um, Reiseveranstalter bewerten Risiken neu – doch auf der ITB wurden keine neuen Ziele beworben. Trotz der Turbulenzen setzen einige Regionen auf frische Angebote: Korsika wirbt mit Mikro-Abenteuern auf dem GR20-Weitwanderweg, darunter eine sechswöchige Wanderung zum Lac de Nino. St. Lucia bewirbt seine "Small Six"-Wildtierarten über Naturschutz-Touren, während die schwedische Provinz Skåne eine 260 Kilometer lange Küstenradroute anpreist. Montenegros Öko-Bungalows im Katun Karadžić bieten zudem preiswerte Familientouren mit ökologischem Ansatz.

Die 60. Ausgabe der ITB, mit Angola als Ehrengast, sollte eigentlich das Branchenwachstum feiern. Die Welttourismusorganisation der UN hatte für 2025 rund 1,52 Milliarden internationale Reisende prognostiziert – ein Anstieg von vier Prozent gegenüber 2024. Doch die Luftraumsperren und fehlenden Aussteller überschatten die Pläne. Veranstalter und Teilnehmer müssen sich in einem unsicheren Umfeld behaupten.

Auf der anderen Seite des Atlantiks setzen amerikanische Reiseziele auf einzigartige Erlebnisse, um einem Wandel in den Reiseprioritäten entgegenzuwirken. Immer mehr Touristen entscheiden sich für Kanada statt für die USA, was lokale Anbieter zum Umdenken zwingt. Dennoch wurden auf der ITB oder von ihren Partnern angesichts der anhaltenden Störungen keine größeren Neuerungen bei Routen oder Werbeaktionen vorgestellt.

Die Sperrung des Luftraums im Nahen Osten hat zu Stornierungen, Umleitungen und Evakuierungen geführt – mit verheerenden Folgen für den Betrieb der ITB Berlin. Aussteller wie Israel fehlten ganz, andere, darunter Palästina, fanden alternative Wege zur Teilnahme. Während sich der globale Tourismus ohnehin bereits an veränderte Nachfragen anpasst, verschärft die Krise den Druck auf eine Branche, die sich noch in der Erholungsphase befindet.

Von Korsika bis St. Lucia werben Destinationen weiterhin mit Nischenangeboten, doch der Fokus liegt kurzfristig auf der Bewältigung der logistischen Folgen und der Betreuung gestrandeter Reisender. Die langfristigen Auswirkungen auf die Tourismusströme und Veranstaltungen wie die ITB sind noch nicht absehbar.

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