Putin ermöglicht ganzjährige Einberufung – IT-Fachkräfte verlieren Privilegien
Lina SeidelPutin ermöglicht ganzjährige Einberufung – IT-Fachkräfte verlieren Privilegien
Russlands Präsident Wladimir Putin hat ein neues Gesetz unterzeichnet, das die Einberufung von Wehrpflichtigen zu jeder Jahreszeit ermöglicht. Die im November eingeführte Änderung stellt einen Bruch mit dem bisherigen System der saisonalen Musterungen dar. Gleichzeitig gelten nun strengere Regeln für IT-Fachkräfte, die bisher von der Wehrpflicht befreit waren.
Das Gesetz wurde offiziell im Oktober 2025 verabschiedet, wobei Putin am 29. Dezember den ersten Erlass unterzeichnete, um die ganzjährige Wehrpflicht ab 2026 durchzusetzen. Das Verteidigungsministerium hatte den Gesetzentwurf am 11. November vorgelegt und argumentiert, dies werde die Rekrutierung effizienter gestalten. Bisher fanden die Einberufungen nur im Frühling und Herbst statt – nun können wehrpflichtige Bürger jedoch jederzeit einberufen werden.
Bei der Herbstmusterung 2025 waren bereits 135.000 Wehrpflichtige zu den Streitkräften eingezogen worden. Reservisten bleiben von den Neuregelungen unberührt und genießen weiterhin ihre bisherigen Ausnahmen.
Für IT-Spezialisten haben sich die Bedingungen deutlich verschärft. Bisher konnten Personen zwischen 18 und 30 Jahren in bestimmten technologischen Berufen die Einberufung aufschieben, wenn sie mindestens elf Monate im vergangenen Jahr in einem anerkannten Unternehmen gearbeitet oder innerhalb eines Jahres nach ihrem Abschluss eine Anstellung gefunden hatten. Nun wurde die Kündigungsfrist für diese befreiten Mitarbeiter von zwei Wochen auf nur noch fünf Tage verkürzt. Arbeitgeber müssen die örtliche Wehrersatzbehörde zudem innerhalb desselben Zeitraums informieren.
Die Umstellung auf eine ganzjährige Wehrpflicht ermöglicht es dem russischen Militär, Rekruten flexibler einzuberufen. IT-Fachkräfte, die früher längere Aufschübe erhielten, sehen sich nun schnelleren Entlassungsverfahren und strengeren Meldepflichten gegenüber. Die Änderungen spiegeln umfassendere Bestrebungen wider, die Rekrutierungspolitik des Militärs an die sich wandelnden Erfordernisse anzupassen.






