Rassismus in Deutschland: Warum Vertrauen in den Staat bei Betroffenen schwindet
Hannah RichterStudie: Rassismus und Diskriminierung sind in Deutschland weit verbreitet - Rassismus in Deutschland: Warum Vertrauen in den Staat bei Betroffenen schwindet
Rassismus bleibt in Deutschland ein weitverbreitetes Problem, das mit tief verwurzelter Diskriminierung den Alltag prägt. Eine aktuelle Studie zeigt, dass das Vertrauen in staatliche Institutionen unter rassistisch marginalisierten Gruppen stark gesunken ist. Trotz langjähriger Forderungen nach Reformen wurden kaum Maßnahmen ergriffen, um strukturelle Vorurteile abzubauen.
Fast zwei von fünf Deutschen – 36 Prozent – glauben noch immer an die Existenz "verschiedener Menschenrassen", ein Konzept, das von der Wissenschaft längst widerlegt wurde. Ähnlich denken 48 Prozent, dass manche Gruppen "von Natur aus fleißiger" seien als andere – ein Beleg dafür, wie hartnäckig sich Mythen über biologische Unterschiede halten.
Diskriminierung ist kein Einzelfall. Mehr als ein Viertel der schwarzen Befragten und 17 Prozent der muslimischen Teilnehmer:innen berichteten, mindestens einmal im Monat Beleidigungen, Belästigungen oder körperliche Angriffe zu erleben. Selbst subtilere Formen von Vorurteilen sind allgegenwärtig: 63 Prozent der Schwarzen machen solche Erfahrungen monatlich.
Die Bundesregierung hat bis heute keine der Empfehlungen aus dem NaDiRa-Bericht umgesetzt, der im Dezember 2025 veröffentlicht wurde. Stand März 2026 gibt es keine konkreten Maßnahmen, um strukturellen Rassismus in Behörden oder Gesellschaft zu bekämpfen. Zwar wurden Expert:innenkommissionen und Reformen diskutiert, doch blieb es bei Absichtserklärungen.
Fachleute fordern, dass staatliche Institutionen mit gutem Beispiel vorangehen müssen, um Vorurteile zu überwinden. Zudem brauche es stärkere rechtliche Schutzmechanismen, darunter eine Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG), damit Betroffene sich wirksamer gegen Diskriminierung wehren können.
Die Daten belegen: Rassismus in Deutschland ist weder ein Randphänomen noch ein Nischenthema. Ohne tiefgreifende Reformen sehen sich marginalisierte Gruppen weiterhin systemischen Barrieren ausgesetzt. Die Forderungen nach Handlung bleiben unerhört – und das Vertrauen in die Institutionen schwindet weiter.






