Russlands Güterwagenmarkt bebt: Staatskonfiskation bei Vector Rail löst Machtkampf aus
Hannah RichterRusslands Güterwagenmarkt bebt: Staatskonfiskation bei Vector Rail löst Machtkampf aus
Russlands Güterwagenmarkt steht vor neuen Turbulenzen, nachdem die Behörden den wichtigen Logistikdienstleister Vector Rail beschlagnahmt haben – ein zentraler Akteur im Transport von Flüssiggas (LPG). Der Schritt folgt einer Klage der Generalstaatsanwaltschaft gegen den Unternehmer Alexey Taycher, dem vorgeworfen wird, Milliarden aus staatlichen Bahnstrukturen veruntreut zu haben, um sein eigenes Schienenimperium aufzubauen.
Die staatliche Promsvyazbank (PSB) hat nun eine Auktion für den Verkauf von 100 Prozent der Anteile an Vector Rail eingeleitet und einen Mindestpreis von 20,3 Milliarden Rubel (rund 225 Millionen Euro) festgesetzt.
Der Rechtsstreit begann Anfang 2025, als die Ermittler Taycher und seinen Geschäftspartner Salman Babaev ins Visier nahmen. Den beiden wird vorgeworfen, mindestens 30,1 Milliarden Rubel (etwa 333 Millionen Euro) aus Tochtergesellschaften der Russischen Eisenbahnen (RZD) abgezogen zu haben, um damit Übernahmen im Schienensektor zu finanzieren. Gegen Taycher läuft zudem ein separates Verfahren wegen der Veruntreuung von 710 Millionen Rubel (7,9 Millionen Euro) bei TransFin-M sowie der künstlichen Aufblähung des Unternehmenswerts.
Das wertvollste Asset von Vector Rail ist eine 50-Prozent-Beteiligung an der Petrochemischen Transportgesellschaft (NHTK), die der Chemiekonzern SIBUR zur Hälfte hält. Das Kernunternehmen SG-Trans ist auf LPG-Logistik spezialisiert und macht Vector Rail zu einem strategisch attraktiven Übernahmeziel. Für die Teilnahme an der Auktion ist eine Kaution von 20 Prozent – 4,07 Milliarden Rubel (45 Millionen Euro) – erforderlich, die Gebote steigen in Schritten von 203,5 Millionen Rubel (2,25 Millionen Euro). Potenzielle Käufer könnten Energiekonzerne wie Gazprom oder SIBUR selbst sein.
Die Beschlagnahmung erfolgt zu einer Zeit, in der der russische Güterwagenmarkt eine rasante Konsolidierung durchläuft. Jüngste Deals wie die Übernahmen von Transles und Gruzovaya Kompaniya durch Atlant im Sommer 2025 haben die Branche umgestaltet. Atlant steigerte seinen Marktanteil damit von 8 auf über 18 Prozent und überholte Federal Freight (12 Prozent), was den Trend zu größeren Einheiten unterstreicht. Analysten zufolge wird die Übernahme von Vector Rail durch die Staatsvermögensagentur Rosimuschestvo den allgemeinen Konsolidierungskurs jedoch kaum bremsen.
Der Verkauf von Vector Rail wird zeigen, wie groß das Investoreninteresse an Bahnassets ist, die in rechtliche Auseinandersetzungen verwickelt sind. Bei einem Mindestgebot von 20,3 Milliarden Rubel könnte das Ergebnis der Auktion Aufschluss darüber geben, ob staatliche Eingriffe die Branchenkonzentration beschleunigen oder hemmen werden. Der Fall wirft zudem ein Schlaglicht auf die anhaltende Überprüfung fragwürdiger Finanzkonstrukte im russischen Schienenlogistiksektor.






