Russlands Häftlinge verdienen plötzlich doppelt so viel – doch es gibt ein Problem
Hannah RichterRusslands Häftlinge verdienen plötzlich doppelt so viel – doch es gibt ein Problem
Löhne für Häftlinge in russischen Strafanstalten mehr als verdoppelt
Die Bezahlung von Gefangenen, die in russischen Justizvollzugsanstalten arbeiten, hat sich seit 2019 mehr als verdoppelt. Das durchschnittliche Monatsgehalt liegt nun bei 33.000 Rubel – ein Anstieg gegenüber den 14.700 Rubel vor fünf Jahren. Dieser Zuwachs geht einher mit einer engeren Zusammenarbeit zwischen dem Föderalen Strafvollzugsdienst (FSIN) und Unternehmen sowie einer deutlichen Steigerung der Arbeitsproduktivität unter den Inhaftierten.
Die Produktivität ist seit 2019 um 84 Prozent gestiegen, angetrieben durch die intensivierte Kooperation zwischen dem FSIN und privaten Firmen. Regionale Handelskammern haben dabei eine Schlüsselrolle gespielt: Sie vermittelten Aufträge im Wert von fast 800 Millionen Rubel und schufen Tausende Arbeitsplätze in Haftanstalten.
Trotz der Fortschritte bleiben Hindernisse bestehen. Rechtliche Beschränkungen begrenzen die Tätigkeitsfelder für Verurteilte, während Unternehmen oft zögern, in teure Ausrüstung für Gefängniswerkstätten zu investieren. Strenge interne Vorschriften und logistische Hürden erschweren die Situation zusätzlich. Geringe Qualifikationen und eine hohe Fluktuation unter den Häftlingen dämpfen zudem das Engagement der Wirtschaft.
Um diese Probleme zu lösen, werden Vorschläge diskutiert, darunter der Ausbau der beruflichen Ausbildung in Gefängnissen, eine Anpassung der Gesetzgebung sowie wirtschaftliche Anreize für Unternehmen, die in Haftanstalten Produktionsstätten einrichten. Die Industrie- und Handelskammer strebt nun an, erfolgreiche regionale Praktiken zu sammeln und zu verbreiten, um das System weiter zu verbessern.
Die höheren Löhne und die gestiegene Produktivität deuten auf einen Wandel in der Organisation von Gefängnisarbeit in Russland hin. Da regionale Verträge bereits Hundertmillionen an Einnahmen generieren, könnten weitere Reformen mehr Unternehmen anziehen. Der Fokus liegt nun auf Ausbildung, rechtlichen Anpassungen und Anreizen, um dieses Wachstum nachhaltig zu sichern.






