24 March 2026, 18:35

Skandal im estnischen Olympia-Team: Machtkampf und Misshandlungsvorwürfe erschüttern Verband

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Skandal im estnischen Olympia-Team: Machtkampf und Misshandlungsvorwürfe erschüttern Verband

Streit im Estnischen Olympischen Komitee eskaliert nach Vorwürfen gegen Vater eines Teenager-Medaillengewinners

Die Kontroverse innerhalb des Estnischen Olympischen Komitees (EOK) hat sich zugespitzt, nachdem der Vater eines jugendlichen Medaillengewinners schwerwiegende Vorwürfe gegen sich gezogen hat. Tõnis Sildaru, Trainer und Vater des 19-jährigen Freestyle-Skifahrers Henry Sildaru, sieht sich Anschuldigungen wegen körperlicher Misshandlung und Veruntreuung ausgesetzt. Mittlerweile ist auch Kersti Kaljulaid, die Präsidentin des EOK, in die Kritik geraten – Forderungen nach ihrem Rücktritt gewinnen an Fahrt.

Auslöser des Konflikts war Kaljulaids öffentliche Unterstützung für russische Athlet:innen bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris, eine Haltung, die zu vorläufigen Sanktionen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) führte. Nun wird ein Misstrauensantrag gegen ihre Führung von prominenten Persönlichkeiten des estnischen Sports vorbereitet.

Henry Sildaru hatte bei den Winterspielen in Milano Cortina in diesem Jahr als einziger Estländer eine Medaille gewonnen. Mit dem Erfolg war ein Preisgeld von 35.000 Euro verbunden, das sein Vater Tõnis später zurückerstattete. In einer öffentlichen Stellungnahme warf Tõnis Kaljulaid vor, eine persönliche Kampagne gegen ihn zu führen. Die Veruntreuungsvorwürfe wies er zurück; die Ermittlungen dazu laufen noch im Rahmen eines anhängigen Gerichtsverfahrens.

Die Lage spitzte sich weiter zu, als Kelly Sildaru, Henrys Schwester und ebenfalls eine Spitzenathletin im Freestyle-Skiing, eigene Vorwürfe gegen den Vater erhob. Ihre Aussagen untermauerten die Anschuldigungen wegen Fehlverhaltens im familiären Sportumfeld.

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Unterdessen wächst der Widerstand gegen Kaljulaids Führung. Der ehemalige Olympische Zehnkampf-Champion Erki Nool kündigte an, den Misstrauensantrag gegen sie zu unterzeichnen. Nool argumentierte, das EOK solle sich auf die Einheit der Athlet:innen konzentrieren statt Spaltungen zu vertiefen. Heino Märks, ein ehemaliger Sportfunktionär mit militärischem Hintergrund, sammelt aktiv die benötigten zwölf Unterschriften – zehn Prozent der EOK-Mitglieder –, um eine Abstimmung herbeizuführen.

Kaljulaids Position steht seit Oktober 2024 unter Druck, als sie zur EOK-Präsidentin gewählt wurde, nachdem sie von 2016 bis 2021 estnische Staatschefin gewesen war. Ihre frühere Entscheidung, russische Sportler:innen bei den Spielen in Paris zu unterstützen, hatte bereits das Verhältnis zum IOC belastet. Im September 2024 drohte das IOC mit Sanktionen, woraufhin die volle Anerkennung des EOK bis März 2026 ausgesetzt wurde. Zwar blieben internationale Kontakte teilweise bestehen, doch der Vorfall schadete Estlands Standing im Weltsport.

Ob der Misstrauensantrag gegen Kaljulaid erfolgreich sein wird, hängt nun davon ab, ob genug EOK-Mitglieder ihn unterstützen. Bei einem Erfolg könnte dies zu einem Führungswechsel im Verband führen. Für Tõnis Sildaru hingegen geht das juristische Verfahren wegen der Veruntreuungs- und Misshandlungsvorwürfe weiter, während die sportlichen Karrieren seiner Kinder weiterhin im Rampenlicht stehen. Die Ergebnisse beider Konflikte werden Estlands Umgang mit olympischer Governance und Athlet:innenfürsorge in den kommenden Jahren prägen.

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