03 April 2026, 02:34

Streit um José Saramago: Portugals Schulen sollen mehr Freiheit bei der Lektüreauswahl erhalten

Altes Buch mit dem Titel 'Der Preis-Essay über Portugal' mit einem Stempel auf schwarzem Hintergrund.

Streit um José Saramago: Portugals Schulen sollen mehr Freiheit bei der Lektüreauswahl erhalten

Portugals Bildungsministerium will Lektüreliste für die 12. Klasse reformieren – Streit um José Saramagos Rolle im Lehrplan

Das portugiesische Bildungsministerium hat Änderungen für die Lektüreliste der 12. Klasse vorgeschlagen und damit eine Debatte über den Platz des Nobelpreisträgers José Saramago im Lehrplan ausgelöst. Nach dem neuen Plan wären Schulen nicht mehr verpflichtet, Werke des Autors zu unterrichten. Stattdessen könnten sie aus einem breiteren Spektrum portugiesischer Schriftsteller wählen.

Die Überarbeitung stößt auf Kritik der Sozialistischen Partei, die darin eine langjährige Ablehnung Saramagos durch das konservative Lager sieht. Bildungsminister Fernando Alexandre verteidigte die geplanten Änderungen und betonte, die öffentliche Anhörung zu den Essenziellen Lernstandards sei rein fachlicher Natur. Eine endgültige Entscheidung stehe noch aus, und Saramagos literarische Bedeutung sei unbestritten. Allerdings sei ein Pflichtstatus für seine Werke nicht zwingend notwendig, um sie im Unterricht zu behandeln.

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Der Minister schlug vor, stattdessen Autoren wie Agustina Bessa Luís, António Lobo Antunes oder Gonçalo M. Tavares in die Auswahl aufzunehmen. Die überarbeiteten Richtlinien nennen jedoch keinen direkten Ersatz für Saramago, sondern führen Mário de Carvalhos Roman Ein Gott, der im Abendwind spaziert als Option neben Saramagos Werken ein.

Porfírio Silva, Abgeordnete der Sozialisten, kritisierte den Vorschlag scharf: Die Reform reduziere Saramagos Präsenz auf die Wahl zwischen zwei seiner Werke und einem Titel von de Carvalho. Zwar warnte er davor, den Lehrplan zur politischen Spielwiese zu machen, wirft der Rechten aber eine historische Feindseligkeit gegenüber dem verstorbenen Autor vor. Alexandre wies die Bedenken zurück und versicherte der Sozialistischen Partei, es bestehe kein Grund zur Beunruhigung.

Im Kern geht es in der Diskussion darum, ob Saramagos Werke verbindlich bleiben oder gleichberechtigt neben anderen portugiesischen Autoren gelehrt werden sollen. Schulen erhielten zwar mehr Freiheit bei der Textauswahl, doch Kritiker befürchten, die Änderung schwäche die Stellung des Autors im Bildungssystem. Die endgültige Entscheidung hängt vom Ergebnis der noch laufenden fachlichen Prüfung ab.

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