Vivantes-Streit eskaliert: Verdi fordert Senats-Eingriff nach 50 Streiktagen
Mila VoigtVivantes-Streit eskaliert: Verdi fordert Senats-Eingriff nach 50 Streiktagen
Die Gewerkschaft Verdi hat den Berliner Senat aufgefordert, in die Tarifverhandlungen mit den Tochtergesellschaften von Vivantes einzugreifen. Der Appell erfolgt nach 50 Streiktagen und 16 Verhandlungsrunden, die keine Lösung des Konflikts brachten. Die Beschäftigten fordern Maßnahmen bei den Löhnen und die Einlösung langjähriger politischer Versprechen.
Was als Kampf um höhere Löhne begann, hat sich mittlerweile zu einer breiteren Auseinandersetzung ausgeweitet. Verdi pocht darauf, dass der Senat ein Versprechen einhält und die Tochtergesellschaften wieder in den Vivantes-Konzern eingliedert – was den Mitarbeitenden Zugang zu besseren Bezahlungsbedingungen und betrieblicher Altersvorsorge ermöglichen würde. Ein Berliner Gericht hat kürzlich zugunsten einer Landesfinanzierung für die Reintegration entschieden und damit ein rechtliches Hindernis ausgeräumt.
Die Verhandlungen stecken jedoch nach wie vor am Geld fest. Vivantes steht unter Druck, sein Millionendefizit abzubauen, während bundesweite Sparmaßnahmen die Lage zusätzlich belasten. Das jüngste Angebot der Arbeitgeberseite sieht zwar eine Angleichung der Löhne an die TVöD-Standards vor, kündigt aber drastische Kürzungen bei den jährlichen Sonderzahlungen an – Leistungen, die die Beschäftigten in früheren Verhandlungen erstritten hatten.
Verdi hat in einigen Punkten nachgegeben, etwa durch die Zustimmung zu einer schrittweisen Lohnangleichung über mehrere Jahre und den Verzicht auf die Forderung nach einem eigenen Rentensystem. Dennoch wächst die Verärgerung. Die Gewerkschaft wirft der Regierung Untätigkeit vor und warnt, dass die gesamte Stadt unter den Folgen leide. Da auch die 17. Verhandlungsrunde keine Fortschritte brachte, schwinden die Hoffnungen auf eine schnelle Einigung.
Die Streikbeteiligung bleibt hoch: Täglich nehmen zwischen 350 und 450 Kolleginnen und Kollegen an den Ausständen teil. Verdi kritisiert zudem die Notdienstvereinbarungen scharf und argumentiert, diese schwächten die Wirkung des Streiks auf den Krankenhausbetrieb.
Der Konflikt zieht sich ohne absehbares Ende hin. Während Verdi zu unbegrenzten Streiks bereit ist, hindern die finanziellen Zwänge die Arbeitgeberseite daran, den zentralen Forderungen nachzukommen. Das Gerichtsurteil zur Reintegration bringt zwar etwas Klarheit, doch die Kernfragen nach Bezahlung und Arbeitsbedingungen bleiben ungelöst.






