Vom 80er-Klischee zum Kult: Warum der Schnurrbart heute alle polarisiert
Hannah RichterIst der Schnurrbart jetzt in Mode oder nicht? - Vom 80er-Klischee zum Kult: Warum der Schnurrbart heute alle polarisiert
Barttrends im Wandel: Der Schnurrbart feiert sein Comeback
Der Schnurrbart steht seit einigen Jahren wieder im Mittelpunkt – und das mit einem ganz neuen Image. Was in den 1980ern noch als klobiges Markenzeichen galt, ist heute ein vielseitiges Stilmittel, das von Indie-Rockern bis zu K-Pop-Stars getragen wird. Prominente wie Timothée Chalamet und Leonardo DiCaprio sorgen mit ihren Varianten des Looks für Schlagzeilen, ob nun gefeiert oder belächelt.
Dabei hat der Schnurrbart in den letzten drei bis vier Jahren einen stetigen Aufstieg erlebt. Neue Popstars wie Benson Boone setzen auf den Look, während Schauspieler wie Pedro Pascal ihre Fans überraschten, indem sie sich komplett glatt rasierten. Der markante "Chevron"-Schnurrbart der 1980er – breit und gerade über der Oberlippe – prägte einst das Bild, doch heute sind die Trends schwerer einzuordnen.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten durchlief der Schnurrbart verschiedene Subkulturen. In der Musik entwickelte er sich vom Indie-Rock-Revival der 2000er (etwa bei The Strokes) über das selbstbewusste Maskulinitätsideal des Hip-Hop in den 2010ern (verkörpert durch Post Malone) bis hin zu den ironischen Interpretationen des K-Pop in den 2020ern (inspiriert von BTS). Auch die Mode folgte diesem Wandel: Die spielerische Ironie der Movember-Kampagnen in den 2010ern wich hochkarätigen Statements auf den Gucci-Laufstegen (2018–2023) und geschlechterfluiden Ausdrucksformen. Selbst Aktivismus spielte eine Rolle – etwa durch die globale Verbreitung der Movember-Initiativen für Männergesundheit oder die Neudeutung des Looks in queeren und feministischen Bewegungen, von Drag-Kultur bis zu den #MeToo-Debatten.
Doch nicht jeder Stil trifft den Geschmack der Öffentlichkeit. Chalamets zarter Schnurrbart bei den Golden Globes 2025 erntete Spott, während DiCaprios markante Variante bei den Oscars 2026 für Gesprächsstoff sorgte. Harry Styles hingegen wechseln zwischen glatt rasiert und lässigem Dreitagebart – für ihn ist Gesichtshaar ein Teil seines ständig wandelbaren Images. Für viele Männer bleibt der Bart – oder sein Fehlen – eine Form des Selbstausdrucks, auch wenn nicht jeder Look gleich gut ankommt.
Heute gilt der Schnurrbart als attraktiv und überwindet dabei Geschlechter- und Orientierungsgrenzen. Sein Reiz liegt in der Vielseitigkeit: als Zeichen des Aufbegehrens, als Modestatement oder einfach als persönliche Marotte.
Von glamourösen Roten Teppichen bis zum Alltagslook auf der Straße erfindet sich der Schnurrbart ständig neu. Sein Weg durch Musik, Mode und Aktivismus zeigt, wie ein scheinbar simples Stilmittel kulturelle Strömungen widerspiegeln kann. Mit Stars wie Pascal und DiCaprio, die die Debatte am Laufen halten, deutet nichts darauf hin, dass der Trend bald an Fahrt verliert.






