11 May 2026, 00:09

Wie der Flaggenstreit die Weimarer Republik spaltete – bis 1933

Deutsche Flagge über einem Plakat mit Text zum Thema Flagge

Wie der Flaggenstreit die Weimarer Republik spaltete – bis 1933

Der Flaggenstreit im Deutschen Reich offenbart tiefe politische Gräben bis 1933

Was als Debatte über die Nationalfarben begann, entwickelte sich bald zu einem Konflikt zwischen links und rechts. Bis Mitte der 1920er Jahre hatte sich die Auseinandersetzung zu zwei unverrückbaren Lagern verfestigt, von denen jedes seine eigene Version der Flagge unterstützte.

Im Zentrum des Sturms stand Reichspräsident Paul von Hindenburg, der 1926 mit einem umstrittenen Erlass die Spannungen zu entschärfen versuchte. Doch seine Entscheidung machte nur deutlich, wie weit die politischen Strömungen des Landes auseinandergedriftet waren.

Die Wurzeln des Streits reichen bis in die Wirren der Jahre 1918/19 zurück. Die Spartakisten und später die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) setzten sich für Rot als Nationalfarbe ein. Überraschenderweise unterstützten Teile der Rechten dagegen Schwarz-Rot-Gold – jene Trikolore, die später von der Weimarer Koalition übernommen wurde.

Bis zur Reichspräsidentenwahl 1925 hatte sich die Spaltung weiter zugespitzt: Ein „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ stand einem „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“ gegenüber. Die Kluft vertiefte sich, nachdem die Alliierten den Anschluss Österreichs verboten hatten. Die Rechte hielt an Schwarz-Weiß-Rot fest, während die Mitte und die Linke bei Schwarz-Rot-Gold blieben.

Im Mai 1926 erließ Hindenburg die Zweite Flaggenverordnung – auf Vorschlag des parteilosen Reichskanzlers Hans Luther. Auslöser war die Forderung der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) nach einer Rückkehr zu den alten kaiserlichen Farben. Der Erlass verfügte, dass diplomatische Vertretungen außerhalb Europas sowohl die Nationalflagge (Schwarz-Rot-Gold) als auch die Handelsflagge (Schwarz-Weiß-Rot) hissen sollten. Doch der Kompromiss konnte die zugrundeliegenden Spannungen nicht lösen.

Am 9. Mai versuchte Hindenburg mit einem offenen Brief weiteren Schaden einzudämmen. Er rief zu einer verfassungsmäßigen Lösung auf, um die Lager zu einen. Doch der Konflikt blieb bestehen – trotz früherer Bemühungen des Reichskunstwartes Edwin Redslob. Dieser war damit beauftragt worden, eine einheitliche „Reichsflagge“ zu entwerfen, und hatte ein geteiltes Feld in Rot und Gelb mit einem schwarzen Balkenkreuz vorgeschlagen. Sein Entwurf setzte sich jedoch nicht durch.

Die Nationalversammlung hatte versucht, solche Spaltungen zu verhindern, doch der Flaggenstreit zog sich unverändert hin. Statt die Gräben zu überbrücken, zeigte die Debatte nur, wie tief die politischen Lager sich vergraben hatten.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Der Konflikt um die Flagge währte bis 1933 und hinterließ eine noch stärker zersplitterte politische Landschaft. Hindenburgs Verordnung und spätere Appelle konnten die Kluft zwischen den beiden Blöcken kaum mildern. Was als symbolische Auseinandersetzung begonnen hatte, endete als bleibendes Zeichen für die tiefen politischen Risse der Weimarer Republik.

Quelle