13 March 2026, 08:01

Berlin wagt historisches Experiment: Vergesellschaftung von Grundstücken und Ressourcen

Ein aufgeschlagenes Buch mit dem Titel "Vorträge über die Verfassung und Gesetze Englands mit einem Kommentar zur Magna Charta und Illustrationen mehrerer englischer Gesetze" zeigt eine Seite mit schwarzem Text.

Berlin wagt historisches Experiment: Vergesellschaftung von Grundstücken und Ressourcen

Das Berliner Abgeordnetenhaus hat ein umstrittenes neues Gesetz verabschiedet, das die Überführung von Grundstücken, natürlichen Ressourcen und Produktionsstätten in öffentliches Eigentum ermöglichen könnte. Das Vergesellschaftungsrahmengesetz stellt den ersten Versuch eines deutschen Bundeslandes dar, eine seit langem ruhende Verfassungsbestimmung für solche Maßnahmen zu nutzen.

Das Gesetz stützt sich auf Artikel 15 des Grundgesetzes, der die Vergesellschaftung zentraler Vermögenswerte erlaubt – allerdings nur unter strengen Auflagen. Eine solche Übertragung muss dem Gemeinwohl dienen, insbesondere durch eine bessere Versorgung mit essenziellen Gütern und Dienstleistungen. Zudem sind eine angemessene Entschädigung für die betroffenen Eigentümer sowie ein angemessenes Verhältnis zwischen Mittel und Ziel vorgeschrieben.

Bevor das Gesetz in Kraft tritt, sieht es eine zweijährige Wartefrist vor. Die Berliner Koalitionsregierung plant, es zunächst dem Bundesverfassungsgericht zur Prüfung vorzulegen. Dieser Schritt spiegelt Bedenken hinsichtlich möglicher Klagen und des beispiellosen Charakters des Vorhabens wider.

Kein anderes Bundesland hat in den letzten Jahren ähnliche Vorhaben diskutiert. Zwar existiert Artikel 15 seit 1949, doch wurde er bisher nie angewendet. Berlins Entscheidung bleibt damit einzigartig – es gibt weder dokumentierte Debatten noch Positionen zu vergleichbaren Maßnahmen in anderen Teilen des Landes.

Das Vergesellschaftungsrahmengesetz bleibt vorerst bis mindestens 2026 ausgesetzt. Sein weiteres Schicksal hängt nun von der Bewertung des Verfassungsgerichts ab. Sollte es Bestand haben, könnte das Gesetz einen Präzedenzfall für die öffentliche Kontrolle über Schlüsselressourcen in Deutschland schaffen.

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