Deutschland kämpft mit wachsender Abhängigkeit von Digitalimporten aus dem Ausland
Lina SeidelDeutschland kämpft mit wachsender Abhängigkeit von Digitalimporten aus dem Ausland
Deutschlands Abhängigkeit von importierten Digitalkomponenten wächst stark – zwei Drittel der Unternehmen beziehen Chips, Sensoren und Prozessoren aus dem Ausland
Eine neue Bitkom-Studie zeigt, wie Lieferengpässe, steigende Nachfrage und geopolitische Spannungen den Zugang zu diesen Schlüsseltechnologien erschweren. Die Ergebnisse offenbaren zudem Sorgen über den schwindenden technologischen Vorsprung Deutschlands und die wachsende globale Ungleichheit im digitalen Wettbewerb.
Laut der Bitkom-Studie zur digitalen Souveränität importieren mittlerweile 66 Prozent der deutschen Unternehmen digitale Hardware. Besonders groß ist die Abhängigkeit bei Betrieben mit 500 oder mehr Beschäftigten: Hier beziehen 83 Prozent ihre Komponenten aus dem Ausland. In der Automobilbranche, im Maschinenbau und im Anlagenbau liegt die Importquote bei 61 Prozent, während die chemische, pharmazeutische und Finanzindustrie mit 72 bzw. 71 Prozent noch stärker betroffen ist.
Ursachen für die Knappheit sind die stark gestiegene Nachfrage, unterbrochene Lieferketten und anhaltende geopolitische Konflikte. Vier von zehn Unternehmen in Deutschland glauben, dass der einst starke technologische Vorsprung des Landes nicht mehr zu halten ist. Drei Viertel der Firmen beobachten zudem eine zunehmende internationale Ungleichheit im digitalen Wettbewerb – ein Trend, der durch die COVID-19-Pandemie noch beschleunigt wurde.
Als Reaktion darauf will die EU ihre Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten verringern. Mit dem EU-Chips-Gesetz, das 2023 auf den Weg gebracht wurde, plant Brüssel, 13 Milliarden Euro direkt zu investieren und insgesamt 43 Milliarden Euro – inklusive privater Mittel – in die Europäische Mikroelektronik-Allianz zu lenken. Ziel ist es, die lokale Produktion und Expertise in Mikroprozessoren und Halbleitertechnologien auszubauen.
Die Bitkom fordert industriepolitische Maßnahmen, die auf die Bedürfnisse der digitalen Wirtschaft zugeschnitten sind. Der Verband argumentiert, dass die aktuellen Strategien angepasst werden müssen, um langfristige Widerstandsfähigkeit und Innovation in Schlüsselsektoren zu sichern.
Die Studie unterstreicht die hohe Abhängigkeit Deutschlands von importierten Digitalkomponenten, die nahezu alle großen Branchen betrifft. Die 43-Milliarden-Investition der EU soll Europas Halbleiterkapazitäten stärken, doch Unternehmen warnen, dass Verzögerungen die bestehenden Lücken im globalen Technologiewettbewerb weiter vertiefen könnten. Vorerst prägen weiterhin Lieferkettenrisiken und geopolitische Spannungen die digitale Landschaft.






