EU setzt auf technologische Souveränität – doch Deutschlands Wirtschaft bleibt skeptisch
Mila VoigtEU setzt auf technologische Souveränität – doch Deutschlands Wirtschaft bleibt skeptisch
Das Vertrauen in die deutsche Wirtschaft bleibt gering – nur vier von zehn Unternehmen zeigen sich stark optimistisch, ein Niveau, das dem in China entspricht. Unterdessen treibt die Europäische Union eine ehrgeizige Industriestrategie voran, um ihren Technologiesektor zu stärken und die Abhängigkeit von ausländischen Märkten zu verringern. Im Mittelpunkt des Plans stehen Schlüsseltechnologien wie Halbleiter, Cloud-Computing und künstliche Intelligenz.
Die EU-Industriestrategie wurde offiziell am 5. Mai 2021 vorgestellt. Ihr zentrales Ziel ist es, Europas Position in kritischen Technologien auszubauen und externe Abhängigkeiten zu reduzieren. Halbleiter, Cloud-Computing und Edge-Technologien wurden als oberste Prioritäten definiert.
Seit 2021 hat der European Chips Act Investitionen in Höhe von 43 Milliarden Euro mobilisiert, um die Halbleiterproduktion und -forschung auszuweiten. Parallel fördern die Europäische Datenstrategie und die EU-Cloud-Regeln sichere Cloud-Dienste und digitale Souveränität. Weitere Vorschläge zu "technologischer Souveränität" in den Bereichen Cloud, KI und Halbleiter werden im Mai von Kommissarin Virkkunen erwartet.
Bitkom-Präsident Achim Berg betont, dass Europa im globalen Technologiewettbewerb eine größere Rolle einnehmen müsse. Eine erfolgreiche Industriepolitik solle auf den bestehenden Stärken Europas aufbauen, etwa digitalen Plattformen und KI-Anwendungen in Gesundheitswesen und Mobilität. Allerdings sind 85 Prozent der deutschen Unternehmen der Meinung, dass sich ihre Regierung im laufenden Handelskonflikt zwischen den USA und China neutral verhalten sollte.
Experten verweisen zudem auf die Notwendigkeit gesamtgesellschaftlicher Anstrengungen, darunter die Stärkung digitaler Kompetenzen – von der Belegschaft bis zur Führungsebene. Europas Umgang mit Drittstaaten müsse Wettbewerb und faire Zusammenarbeit in Einklang bringen, um gleiche Bedingungen auf den globalen Märkten zu gewährleisten.
Der Vorstoß der EU zur technologischen Unabhängigkeit erfolgt zu einer Zeit, in der die Wirtschaftslage in Deutschland weiterhin schwächelt. Mit massiven Investitionen in Halbleiter, Cloud-Infrastruktur und KI zielt die Strategie darauf ab, Europa wettbewerbsfähiger zu machen. Der Erfolg dieser Pläne hängt sowohl von politischen Weichenstellungen als auch von der Fähigkeit der Unternehmen ab, sich den neuen digitalen Anforderungen anzupassen.






