Europas Traum vom Next-Generation-Kampfflugzeug FCAS platzt – was kommt jetzt?
Lina SeidelEuropas Traum vom Next-Generation-Kampfflugzeug FCAS platzt – was kommt jetzt?
Europas ehrgeiziges Vorhaben für ein einheitliches Kampfflugzeug der sechsten Generation erleidet schweren Rückschlag
Der Zusammenbruch des Future Combat Air System (FCAS) hinterlässt den Kontinent ohne das geplante Next-Generation-Kampfflugzeug. Das Projekt sollte ein zentraler Test für die europäische Verteidigungskooperation und strategische Unabhängigkeit werden.
FCAS war als hochmodernes Kampfflugzeug konzipiert, das ab etwa 2040 in Dienst gestellt werden sollte. Am 8. Juni 2023 gaben Berlin und Paris jedoch bekannt, dass sie die Entwicklung des Kernbestandteils, des eigentlichen Kampfflugzeugs, eingestellt haben. Die spanische Verteidigungsministerin Margarita Robles bezeichnete das Scheitern als „sehr besorgniserregend“ für die strategische Autonomie Europas.
Trotz des Scheiterns des Gesamtprojekts werden Frankreich und Deutschland weiterhin an der digitalen „Kampfwolke“ arbeiten. Dieses System vernetzt Flugzeuge, Drohnen und Satelliten und bildet die zweite zentrale Säule des FCAS. Nach Bekanntwerden der Nachricht brachen die Aktien des spanischen Rüstungskonzerns Indra um fast 5 Prozent ein.
Unterdessen hat sich unter Führung von Airbus eine Gruppe deutscher Unternehmen unter dem Namen Team Gen 6 formiert, um ein Nachfolgeprojekt für ein neues Kampfflugzeug voranzutreiben. Die sechs ursprünglichen FCAS-Partner – Indra, Airbus, GMV, Sener, ITP und Grupo Oesdía – stehen weiterhin bereit, gemeinsam mit Spanien und anderen Verbündeten an einem neuen Kampfsystem zu arbeiten. Spanische Unternehmen signalisierten zudem Interesse an einer Beteiligung am britisch-italienisch-japanischen Global Combat Air Programme (GCAP) oder an einer Kooperation mit dem schwedischen Hersteller Saab.
Das Scheitern von FCAS offenbart die Kluft zwischen den europäischen Bekundungen zur Verteidigungssouveränität und der Realität bei der Umsetzung großer Rüstungsvorhaben. Der Ausfall des Projekts zwingt Europa nun, alternative Wege für die Entwicklung nächster Generationen von Kampffähigkeiten zu suchen. Spanien und andere Partner erkunden bereits neue multinationale Kooperationen.






