Melonis Machtplan: Neues Wahlsystem soll Italiens Rechte dauerhaft stärken
Lina SeidelMelonis Machtplan: Neues Wahlsystem soll Italiens Rechte dauerhaft stärken
Italienische Rechtskoalition unter Führung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni schlägt neues Wahlsystem vor, um ihre Vorherrschaft bei künftigen Wahlen zu sichern
Ein am Dienstag eingebrachter Gesetzentwurf sieht vor, dass eine Partei oder ein Bündnis mit 40 Prozent der Wählerstimmen eine starke parlamentarische Mehrheit erhält. Der Vorstoß erfolgt nach jüngsten Rückschlägen, darunter eine verlorene Volksabstimmung, die Melonis Position geschwächt hat.
Das geplante System sieht eine entscheidende Neuerung vor: Jede Koalition, die mehr als 40 Prozent der Stimmen erringt, erhält automatisch einen Bonus von 70 Sitzen in der Abgeordnetenkammer und 35 im Senat. Durch diese Regelung könnte selbst ein Stimmenanteil von 40 Prozent etwa 57 Prozent der Parlamentssitze bedeuten.
Umfragen im Vorfeld der für April 2026 geplanten Wahlen zeigen Melonis Partei Fratelli d'Italia trotz der jüngsten Niederlage bei der Volksabstimmung weiterhin als stärkste Kraft. Im März hatten 54 Prozent der Wähler ihre Justizreform abgelehnt – besonders junge Wähler und Nichtwähler signalisierten damit deutliche Unzufriedenheit. Zudem belastet ihre Nähe zu Donald Trump zunehmend ihr politisches Image.
Die Reform zielt darauf ab, ein Szenario zu verhindern, in dem eine vereinte Opposition die Unterstützung für die Rechte in den süditalienischen Wahlkreisen aushöhlen könnte. Aktuell kontrolliert Melonis Koalition fast 60 Prozent der Sitze in beiden Kammern. Für künftige Wahlen soll zwar ein reines Verhältniswahlrecht mit einer Drei-Prozent-Hürde gelten – allerdings erst nach der Wahl 2027.
Das neue Gesetz ist darauf ausgelegt, die Macht der Rechten auch nach den Wahlen 2027 zu sichern. Durch den garantierten Mehrheitsbonus will die Koalition ihre Umfragevorsprünge in dauerhafte parlamentarische Kontrolle umwandeln. Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Meloni mit wachsenden Herausforderungen für ihre Führung und ihr öffentliches Ansehen konfrontiert ist.






