Russlands Bibliotheken verlieren Tausende Bücher durch neue Zensurgesetze
Lina SeidelRusslands Bibliotheken verlieren Tausende Bücher durch neue Zensurgesetze
Russische Bibliotheken stehen vor tiefgreifenden Veränderungen ihrer Bestände nach jüngsten Gesetzesänderungen. Tausende Bücher wurden zensiert oder entfernt, andere Titel müssen überarbeitet werden, um in den Regalen bleiben zu dürfen. Das Problem betrifft landesweit sowohl öffentliche als auch kommunale Bibliotheken in mehreren Städten.
Begonnen hatte die Entwicklung im März, als über 1.000 Bücher wegen Bezugs zu Drogen zensiert wurden. Verlage und Rechteinhaber müssen diese Texte nun überarbeiten, falls sie weiterhin in Buchhandlungen und Bibliotheken verfügbar sein sollen.
Eine weitere Welle von Entfernungen betrifft Bücher, die von der Soros-Stiftung finanziert wurden, die zwischen 1995 und 2003 in Russland aktiv war. In dieser Zeit investierte die Stiftung über 100 Millionen US-Dollar in Bücher. Nun müssen alle Titel, die mit ihrer Förderung in Verbindung stehen, aus dem Umlauf genommen werden. In einer einzigen Stadt sind etwa 30 Prozent des Bestands des Städtischen Bibliotheksverbands betroffen.
Trotz der Verluste wachsen die Bibliotheken weiter. Allein im vergangenen Jahr kamen im gesamten städtischen System 7.000 neue Bücher hinzu. Auch die lokale Bevölkerung hat sich beteiligt und weitere 10.000 Bände gespendet. Unklar bleibt jedoch, wie viele Bibliotheken aufgrund der neuen Gesetze Bücher anpassen – öffentliche Daten dazu liegen nicht vor.
Die rechtlichen Änderungen zwingen Verlage dazu, zensierte Texte zu überarbeiten oder deren Verschwinden aus den Regalen in Kauf zu nehmen. Bibliotheken werden ihre Bestände weiterhin anpassen müssen, doch das volle Ausmaß der Auswirkungen ist noch nicht absehbar. Vorerst werden die Entfernungen und Überarbeitungen prägen, welche Bücher Leserinnen und Leser in ganz Russland zugänglich sind.






