18 March 2026, 06:32

Schweiz überdenkt Atomausstieg: Rösti fordert Neubewertung der Kernenergie-Politik

Eine Liniengrafik, die die Anzahl der nuklear erzeugten elektrischen Energie von 2021 bis 2022 zeigt, mit begleitendem Text, der zusätzliche Dateninformationen bereitstellt.

Schweiz überdenkt Atomausstieg: Rösti fordert Neubewertung der Kernenergie-Politik

Schweizer Energieminister Albert Rösti hat eine mögliche Kehrtwende in der Atompolitik des Landes angedeutet. Auf einem internationalen Atomenergie-Kongress in Paris betonte er die Notwendigkeit, den schweizerischen Atomausstiegsbeschluss von 2017 neu zu bewerten. Seine Äußerungen fallen in eine Zeit, in der Europa vor dem Hintergrund anhaltender Sorgen um die Energieversorgungssicherheit seine Haltung zur Kernenergie überdenkt.

Der Minister hob zudem die Bedeutung der Aufrechterhaltung bestehender Kernkraftwerke wie Leibstadt und Gösgen hervor und sprach sich für die Erforschung neuer Finanzierungsmodelle für künftige Projekte aus. Seine Aussagen spiegeln einen breiteren Wandel in Europa wider, wo die Kernenergie als Mittel zur Gewährleistung von Stabilität und zur Reduzierung der CO₂-Emissionen wieder an Unterstützung gewinnt.

Auf dem Pariser Kongress räumte Rösti der Kernenergie eine strategische Rolle in einem instabilen geopolitischen Umfeld ein. Zwar respektiere er den Beschluss der Schweiz von 2017 zum schrittweisen Atomausstieg, doch hätten sich die Rahmenbedingungen – etwa durch die Energiekrise 2022 – so stark verändert, dass eine erneute Prüfung gerechtfertigt sei. Als mögliche Finanzierungslösung für neue Meiler schlug er eine gleitende Marktprämie vor, die langfristige Versorgungssicherheit garantieren soll, ohne Investitionen in erneuerbare Energien zu untergraben.

Röstis Argumentation, eine Neubewertung der Atompolitik könnte Investoren in erneuerbare Energien abschrecken, wies er zurück. Investitionsentscheidungen basierten auf den aktuellen regulatorischen Rahmenbedingungen und nicht auf spekulativen Debatten, so der Minister. Zudem betonte er die enge Verflechtung der Schweiz mit dem europäischen Stromnetz: 42 grenzüberschreitende Leitungen verbinden das Land mit den regionalen Energiemärkten.

Über die Atomfrage hinaus mahnte Rösti, die Ölversorgung und -reserven der Schweiz für den Fall eines längerfristigen Konflikts mit dem Iran zu sichern. Auch in der Innenpolitik zeigt sich der Minister vorsichtig: Er zweifelt daran, dass der Nationalrat den Beschluss des Ständerats zur Blackout-Initiative kippen wird.

Unterdessen hat die Europäische Union ihre Position zur Kernenergie grundlegend überarbeitet. Seit 2022 stuft die EU Atomkraft in ihrer Taxonomie-Verordnung als nachhaltige Investition ein – eine Haltung, die von 23 Mitgliedstaaten unterstützt wird. Der 2023 verabschiedete Net-Zero Industry Act stellt die Kernenergie nun gleichberechtigt neben erneuerbare Energien, während das EURATOM-Forschungsprogramm 2024 in den kommenden zehn Jahren 1,38 Milliarden Euro für die Kernforschung bereitstellt. Diese Schritte zielen darauf ab, die Versorgungssicherheit zu stärken und die Dekarbonisierung des Kontinents zu beschleunigen.

Röstis Aussagen deuten darauf hin, dass die Schweiz ihre Atomstrategie bald neu bewerten könnte. Sein Fokus liegt darauf, die Laufzeit bestehender Kraftwerke zu verlängern und die Kernenergie als tragfähige Option neben den erneuerbaren Energien zu erhalten. Damit folgt der Minister einem europäischen Trend, in dem Atomkraft zunehmend als unverzichtbar für eine stabile, klimaneutrale Zukunft angesehen wird.

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AKTUALISIERUNG

Schweizer Senatskomitee unterstützt die Erweiterung der Kernenergie: Entscheidender Beschluss ebnet den Weg für neue Anlagen

Das Umweltausschuss des Schweizer Senats hat einen entscheidenden Schritt in Richtung Revision der Kernenergiepolitik unternommen. Eine 10-2-Stimme für die Erlaubnis des Baus neuer Kernkraftwerke markiert einen bedeutenden Wandel:

  • Der Ausschuss genehmigte den Vorschlag von Rösti, die Kernenergieoptionen wieder zu öffnen, und bezeichnete ihn als 'wichtigen Wendepunkt'.
  • Der gesamte Senat wird den Beschluss im Frühjahr voraussichtlich ratifizieren, nach starker öffentlicher Unterstützung.
  • Energieminister Rösti bezeichnete das Ergebnis als 'einen ersten Schritt' und betonte die langfristigen Energiebedürfnisse.

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