Vom Schönheitsbetrug zum fragwürdigen Coaching: Hochstaplerin trickst weiter
Emil LangeVom Schönheitsbetrug zum fragwürdigen Coaching: Hochstaplerin trickst weiter
Eine 44-jährige Frau, die bereits wegen Betrugs als vermeintliche Schönheitsärztin im Gefängnis saß, taucht in der Schweiz nun als selbsternannte "preisgekrönte Life- & Neuro-Coach" wieder auf. Zwischen 2021 und 2023 führte sie illegale kosmetische Behandlungen mit gefälschten Qualifikationen durch. Heute bietet sie Coaching-Sitzungen für 250 Franken pro Stunde an – garniert mit fragwürdigen Auszeichnungen und erfundenen Medienauftritten.
2023 flog auf, dass die Frau Botox- und Hyaluronsäure-Behandlungen ohne medizinische Ausbildung durchführte. Mit gefälschten Diplomen einer österreichischen Universität täuschte sie Kundinnen im Aargau und im Zürcher Limmat-Tal. 2025 muss sie eine zweieinhalbjährige Haftstrafe wegen Betrugs und Urkundenfälschung antreten.
Auf ihrer aktuellen Website prangt sie mit manipulierten Ehrungen, darunter ein bearbeitetes "Forbes"-Cover, und behauptet, in über 450 Nachrichtenseiten aufgetaucht zu sein. Zudem listet sie dubiose Preise auf, etwa "Innovativste Life- & Neuro-Coach des Jahres" aus Aserbaidschan oder "Beste Life- & Neuro-Coach der Schweiz". Trotz ihrer Vorstrafen wirbt sie heute als zertifizierte Coach und gibt vor, dem International Coaching Federation (ICF) anzugehören.
Die Psychologin Noora Al-Rubai warnt vor den Risiken unregulierter Coaching-Anbieter. Sie nennt Alarmzeichen wie undurchsichtige Ausbildungswege, vage Methoden und horrender Honorare. Da die Schweiz im Coaching-Bereich keinen Berufsschutz kennt, können sich unseriöse Akteure leicht an Kunden bereichern. Die Staatsanwaltschaft Aargau bestätigt diese rechtliche Grauzone: Nur bei nachweislichem Schaden sei eine Verurteilung möglich.
Offizielle Statistiken verzeichnen in den letzten zwei Jahren keine ähnlichen Betrugsfälle in den Schweizer Coaching-, Beratungs- oder Schönheitsbranchen. Doch die Vorstrafen der Frau und ihr aktuelles Geschäftsmodell werfen Fragen nach fortgesetzter Täuschung auf.
Trotz ihrer bevorstehenden Haftstrafe betreibt die ehemalige Hochstaplerin ihr Coaching-Geschäft weiter – gestützt auf nicht überprüfbare Zertifikate und übertriebene Versprechungen. Behörden warnen: Ohne schärfere Regulierung könnten unseriöse Anbieter weiterhin ahnungslose Kunden ausnutzen.






