Warum Millionen ihr Bürgergeld nicht beantragen – trotz Anspruch und Reformen
Emil LangeKindergeld bald automatisch, warum nicht Sozialhilfe auch? - Warum Millionen ihr Bürgergeld nicht beantragen – trotz Anspruch und Reformen
Millionen Menschen in Deutschland erhalten keine Sozialleistungen, auf die sie eigentlich einen Anspruch hätten. Trotz der Einführung des Bürgergelds im Jahr 2023 beantragen noch immer viele Berechtigte die Unterstützung nicht. Komplizierte Verfahren, die Angst vor Stigmatisierung und der Wunsch nach Selbstständigkeit sind die Hauptgründe für die geringe Inanspruchnahme.
Die Bürgergeld-Reform von 2023 führte zu einem deutlichen Anstieg der Anträge. Bis 2026 erhielten rund 5,5 Millionen Menschen die Leistung – deutlich mehr als in den Vorjahren. Auch die staatlichen Ausgaben für das Bürgergeld stiegen an: von 21,09 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf 29,6 Milliarden Euro 2025. Über einen Zeitraum von 3,5 Jahren summierten sich die Gesamtkosten auf etwa 93,89 Milliarden Euro.
Doch trotz der Ausweitung verzichten viele weiterhin auf einen Antrag. Studien zeigen, dass zwischen 37 und 56 Prozent der Anspruchsberechtigten das Bürgergeld niemals beantragen. Das Problem betrifft auch andere Leistungen: Fast zwei Drittel der berechtigten Senioren beziehen keine Grundsicherung im Alter.
Die Gründe sind vielfältig. Manche empfinden das Antragsverfahren als undurchsichtig und wissen nicht, welche Behörde zuständig ist. Andere fürchten sich vor Vorurteilen oder sind der Meinung, finanzielle Schwierigkeiten allein bewältigen zu müssen. Diese Hürden bestehen fort, obwohl das System ab Juli 2026 auf ein strengeres Grundsicherungsmodell umgestellt wird – getrieben von wirtschaftlichen Zwängen und dem Ziel, die Erwerbstätigkeit zu fördern.
Die Kluft zwischen Anspruchsberechtigten und tatsächlichen Leistungsbeziehern bleibt groß. Vereinfachte Verfahren und der Abbau von Vorbehalten könnten mehr Menschen den Zugang zu notwendiger Unterstützung ermöglichen. Ohne Veränderungen droht jedoch, dass Millionen weiterhin auf finanzielle Hilfen verzichten, die ihnen zustehen.






