Weidemilch: Warum nicht jedes Label artgerechte Haltung garantiert
Deutsche Verbraucher legen zunehmend Wert auf artgerechte Tierhaltung – besonders bei Milchprodukten. Doch die Auswahl an Milch von Weidekühen ist oft unübersichtlich, und nicht jedes Label hält, was es verspricht. Während viele Verbraucher gezielt nach Produkten suchen, die von freilaufenden und gesunden Kühen stammen, fehlen klare und einheitliche Kennzeichnungen. Kühe mit regelmäßigem Weidegang gelten als gesünder und ausgeglichener. Studien zeigen, dass Bewegung und frisches Gras das Wohlbefinden der Tiere fördern. Dennoch ist nicht jede Milch, die mit Naturverbundenheit wirbt, tatsächlich von Weidekühen. Der Begriff 'Weidemilch' etwa ist nicht rechtlich geschützt, sodass die Anforderungen variieren können. Nach den Richtlinien des 'Weidemilch'-Labels müssen die Tiere mindestens 120 Tage pro Jahr auf der Weide verbringen – doch ohne verbindliche Kontrolle bleibt Raum für Interpretationen.
Einige Zertifizierungen bieten jedoch verlässlichere Hinweise. Dazu zählen das 'Pro Weideland'-Siegel, das Premium-Label 'Für mehr Tierschutz' sowie verschiedene Bio-Siegel. Diese garantieren, dass Kühe niemals angebunden werden und regelmäßig Auslauf erhalten. Die Verbraucherzentrale NRW rät Verbrauchern daher, gezielt nach solchen Kennzeichnungen zu suchen, um höhere Tierschutzstandards zu erkennen.
Problematisch bleibt, dass es in Deutschland derzeit keine standardisierte Verpackung gibt, die explizit bestätigt, dass Kühe niemals im Stall fixiert werden. Selbst das Haltungsform-Stufe-3-Siegel – oft als Zeichen für bessere Bedingungen wahrgenommen – sagt nicht automatisch aus, dass die Tiere Weidegang haben. Nur wenn zusätzlich 'Weidemilch' deklariert ist, stammt die Milch tatsächlich von Kühen mit Auslauf. Ohne diese Kombination können Verbraucher nicht sicher sein, ob die Tiere jemals auf der Weide standen. Für Verbraucher, die Wert auf Milch von artgerecht gehaltenen Kühen legen, bleibt die Auswahl eine Herausforderung. Zwar geben bestimmte Siegel wie 'Pro Weideland' oder Bio-Labels Orientierung, doch ohne einheitliche Regelungen ist Transparenz begrenzt. Wer sicherstellen möchte, dass seine Milch von freilaufenden Herden stammt, muss sich genau informieren – oder auf klar definierte Kennzeichnungen achten.






